Chronik | Burgenland
10.09.2017

Scharfe Unikate aus Meisterhand

Hans Weinmüller fertigt Messer mit deutscher Präzision und amerikanischem Unternehmergeist.

Mehrere Maschinen, Werkzeug, in der Mitte des Raums steht ein Amboss. Fertige Messer, Klingen und Krickerl aus Rehgeweih sind in der Werkstatt zu sehen. Hans Weinmüller ist bei der Arbeit, er fertigt einzigartige Klingen. "Das Messer wird immer mehr wegrationalisiert", sagt Weinmüller und schaut auf seine Werkbank. Er selbst hat immer ein "Feitl" dabei, um Interessierten seine Arbeit zu präsentieren. Es ist ein Klappmesser mit einem Griff aus einem Rehgeweih, "in die Gabel habe ich ein Gesicht hineingeschnitzt", sagt Weinmüller und klappt das Feitl zu.

Der Werkzeugmacher hat sich schon vor Jahren auf den Messerbau spezialisiert. Klappmesser für Gentlemen, Jagdmesser oder ein historisches Kutschermesser haben ihn in der internationalen Messermacher-Szene bekannt gemacht.

Jagdmesser

Sein erstes Werk fertigte er nach der Jagdprüfung an. "Mit den Jagdmessern war ich damals nicht so glücklich", sagt Weinmüller: "Da habe ich eben selbst eines gebaut." Es blieb nicht bei dem einen. Beruflich verschlug es den Deutschen in die USA. Mehr als 14 Jahre lebte er mit seiner Familie zuerst in Kalifornien dann in Arizona. Nachdem er den Job bei seiner Firma aufgab, machte er sich mit seiner Messerschmiede selbstständig. "Ich habe Stammkunden und verkaufe auf Messen", sagt Weinmüller, der auch Mitglied in der deutschen Messermacher-Gilde ist. In den USA waren seine Einzelstücke gefragt, die Geschäfte liefen gut. Trotzdem zog es die Familie wieder nach Europa.

Südburgenland

Seit vier Jahren lebt er jetzt in Wolfau im Bezirk Oberwart. "Wir waren auf der Suche nach einem Platz, wo die Welt noch in Ordnung ist", sagt Weinmüller. Das Haus im Südburgenland gefiel und somit siedelte die Familie nach Österreich. Ein ehemaliger Schweinestall wurde zur Werkstatt umfunktioniert.

Seine Messer sind immer noch gefragt. Einige Preise hat der Schmied schon für seine Werke bekommen. Eine Besonderheit sind seine Nachbauten von alten Klappmessern oder Kutschermesser. "Drei bis fünf Tage brauche ich für so ein Messer", sagt Weinmüller. Ab 1200 Euro kann man solche Unikate erstehen. Eine weitere Spezialität sind Miniaturen, aber auch Buttermesser, Gürtelschnallen oder Beile stellt er her. Die Arbeitsschritte passieren alle in seiner Werkstatt. Verarbeitet wird hochwertiger Damast-Stahl, Horn oder Holz. "Ich baue kaum etwas auf Kundenwunsch, ich mache die Messer wie sie mir gefallen und biete sie dann an", sagt Weinmüller. Verkauft habe er bis jetzt noch jedes seiner Werke. Die Käufer schätzen die Unikate, in den USA, Japan oder sonst wo in der Welt. Egal ob für die Vitrine, die Jagd oder als Jausenmesser.

Über das Internet verkauft er kaum ein Messer. "Man muss sie in der Hand halten, das geht im Internet nicht" begründet Weinmüller. Sein Bestreben sei es, immer bessere und ausgeklügeltere Messer herzustellen. "Über die Jahre ist da schon eine Qualität zustande gekommen", sagt Weinmüller.