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Chronik Burgenland
05/05/2012

"Samariterbund macht Jagd auf Betriebsräte"

Zwischen roter Gewerkschaft und SP-Vorfeldorganisation tobt ein Streit um die Entlassung von Betriebsräten.

von Thomas Orovits

Die Gewerkschaft vida wirft dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) vor, "Jagd auf Betriebsräte" zu machen. Ein "absoluter Tabubruch", klagt vida-Geschäftsführer Ernst Gruber.

Im ASB-Pflegekompetenzzentrum Weppersdorf sei eine Betriebsrätin bei einer Teambesprechung vor die Alternative gestellt worden, einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses zuzustimmen oder sie werde fristlos entlassen. "Die junge Mutter ist fix und fertig und befindet sich seither im Krankenstand", sagt Gruber. Kurz danach sei die Vorsitzende des Betriebsrates vom Dienst freigestellt werden. Ähnliches soll in Strem passiert sein.

Bei vida glaubt man, die Personalvertreter sollen "mundtot" gemacht werden, weil sie sich um die Anliegen der Kollegen kümmern und "ständig unbequem" sind. Die Gewerkschaft will die Entlassungen rechtlich bekämpfen – zumal es mit der roten Vorfeldorganisation ASB "immer wieder Probleme" gebe, auch bei der korrekten Entlohnung.

ASB-Geschäftsführer Wolfgang Dihanits kontert, man zahle korrekt (eine Pflegehelferin bekommt etwa 1650 bis 1850 Euro brutto) , sei um ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat bemüht und setze sicher "niemandem das Messer an". Zum laufenden Verfahren könne er nichts sagen, aber die Kündigungen hätten nichts mit der betriebsrätlichen Tätigkeit der Frauen zu tun, vielmehr habe es Beschwerden von Angehörigen gegeben. Dihanits: "Da müssen wir reagieren".

Für vida sind das bloß "falsche Gerüchte". Und Gruber fordert auch ein Einschreiten des Landes, denn "Organisationen, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten", dürften keine Tagsatzvereinbarung mit dem Land bekommen. Er habe mit Soziallandesrat Peter Rezar (SPÖ) telefoniert, passiert sei aber nichts. Auf KURIER-Anfrage wollte Rezar nichts sagen, er mische sich nicht ein.

Gruber verhehlt nicht, dass es ihm als Sozialdemokraten "besonders weh tut", mit einer SPÖ-Vorfeldorganisation im Clinch zu liegen, aber: "Man lässt mir keine andere Wahl". Dihanits wieder beteuert, zu "meinen Wurzeln zu stehen", aber er könne hier kein anderes Maß anlegen.