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Chronik Burgenland
05/03/2019

Rund 400 neue Pflegeplätze bis 2021

Land will bis 2021 drei neue Heime und zwölf Tageszentren für Senioren errichten

von Thomas Orovits

Das Burgenland will bei der Pflege ganz neue Wege gehen. Pflegeeinrichtungen sollen – nach einer Übergangsfrist von vier Jahren – nur noch gemeinnützig betrieben werden können. Und pflegende Angehörige können sich ab 1. Oktober bei einer Tochter der landeseigenen Krankenanstaltengesellschaft anstellen lassen und für ihre Arbeit bis zu 1.700 Euro netto verdienen.

Mit diesem Paradigmenwechsel haben Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Soziallandesrat Christian Illedits (beide SPÖ) Ende März für einen bundesweiten Paukenschlag gesorgt. Das waren aber nur zwei von 21 Punkten des Pflegeplans.

Konventioneller ist der Teil, den beide Politiker am Donnerstag präsentierten; ob er auch weniger kontroversiell bleibt, wird man sehen. Auch die stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen werden in den kommenden zwei bis drei Jahren kräftig ausgebaut. Ob Zufall oder nicht, der Löwenanteil entfällt auf rote Gemeinden. Mit Eisenstadt, Hornstein und Oberpullendorf wurden aber auch drei prominente ÖVP-Hochburgen bedacht.

Allein in Altenwohn- und Pflegeheimen werden quer durchs Land 279 neue Plätze errichtet; derzeit gibt es in 44 Altenwohn- und Pflegeheimen knapp 2.230 Plätze.

Drei 60-Betten-Heime

Aufhorchen ließ Doskozil mit der Ankündigung, dass „drei neue, große Pflegeheime“ mit je 60 Betten errichtet werden. Je zwölf davon sind für behinderte Menschen reserviert. Als Standorte seien Zurndorf, Eisenstadt und Schandorf vorgesehen. In der kleinen südburgenlandkroatischen Gemeinde Schandorf an der Grenze zu Ungarn soll ein Heim mit Schwerpunkt für Angehörige der burgenländischen Minderheiten entstehen. Die Gespräche mit den Gemeinden hätten „schon begonnen“. Seit Donnerstag gebe es vom Land die Zusage für die Tagsatzvereinbarungen (die den laufenden Betrieb finanzieren, Anm.), damit könne die Realisierung erfolgen.

Was die Heimträger betreffe, habe das Land keine Präferenzen, stellte Doskozil auf KURIER-Nachfrage klar.

Ausgebaut werden zudem die bestehenden Pflegeheime in Draßburg und Olbendorf (auf je 60 Betten) und in Rechnitz auf 90 Betten. Schon vorher genehmigt war der Neubau in Neutal mit 29 Plätzen, der Baustart steht bevor.

Auch wenn das Land bei neuen Häusern nach eigenem Bekunden aus Qualitätsgründen mindestens 60 Betten will, müssten sich bestehende, kleinere Heime keine Sorgen machen: „Es wird keine Einheit zurückgefahren oder nicht mehr existent sein“, beruhigte Illedits.

Tagesbetreuung

Weil es „ein dichtes Pflegenetz“ geben soll, kommen auch zu den bestehenden sieben Senioren-Tageszentren zwölf weitere mit 120 Plätzen hinzu (für manche gibt es noch keinen fixen Standort). In den Bezirken Mattersburg und Neusiedl soll außerdem ein „Betreutes Wohnen Neu“ erprobt werden. An mehreren kleinen Standorten werden Menschen, die noch nicht ins Pflegeheim müssen, tagsüber von Fachkräften betreut. Auch die Zahl der Kurzzeitpflegeplätze in Heimen soll um 30 auf 52 steigen.

Enttäuschung

„Wir werden offensichtlich nicht bedacht“, reagierte Oswald Klikovits enttäuscht. Der Obmann des Hilfswerks bemüht sich seit 2017 um den Ausbau mehrerer seiner Häuser, aber „offenbar ist unsere Kompetenz nicht gefragt“.

Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) reagiert abwartend auf die Pläne des Landes: Eine Einrichtung für behinderte Menschen sei bereits 2015 präsentiert, nach dem Wechsel zu Rot-Blau aber nicht realisiert worden. Dass jetzt Bewegung in die Sache komme, „ist mehr als begrüßenswert“. Man müsse sich aber noch genau ansehen, ob der neue Plan das bringe, „was von den Familien benötigt wird“.