Chronik | Burgenland
08.12.2018

Renaissance von Nikolaus und Percht

Adolf Mathä schlüpft zum 45. Mal in die Heiligen-Rolle / Finstere Gesellen bekommen Nachwuchs

Mit rotem Mantel, Mitra,

Hirtenstab und goldenen Schuhen verlässt Adolf Mathä dieser Tage sein Haus in Pinkafeld. „Es ist heuer das 45. Mal, dass ich in die Rolle des Heiligen Nikolaus schlüpfe“, sagt der 80-Jährige zum KURIER.

Seine Rolle will er gewissenhaft ausführen und so bereitet er sich das Jahr über auf den Advent vor. „Man bekommt eine andere Lebenseinstellung und verhält sich vielleicht anders, als einer, der nicht den Nikolaus verkörpert.“

95 Hausbesuche hat Herr Mathä dieser Tage absolviert. Mittlerweile werden er und seine Kollegen auch in andere Ortschaften gerufen. „Ich finde es schöner, wenn der Nikolaus zu den Kindern kommt und nicht verkleidet auf die Adventmärkte geht.“ Die Vermittlung des Glaubens an die Kinder sei ihm ein wichtiges Anliegen. Pädagogisch gesehen, so ist der ehemalige HTL-Lehrer überzeugt, fördere der Glaube ans Christkind und an den Nikolaus sowohl das Denkvermögen als auch die Fantasie.

Bei seinen Besuchen rede er mit den Kindern, er frage sie, ob sie streiten und ob sie brav seien. Und natürlich gibt es kleine Geschenke. Gemaßregelt werden die Buben und Mädchen von ihm nicht. Im Gegenzug tragen ihm die Kinder Gedichte oder selbst einstudierte Musikstücke vor. „Das schönste Geschenk aber ist es, wenn du in die strahlenden Kinderaugen schaust.“

Manche Familien hat Adolf Mathä schon über Generationen begleitet. Erkannt wird er eigentlich nur an seinen goldenen Schuhen. Sogar sein Urenkerl habe nicht gemerkt, dass der Uropa der Nikolaus ist.

Zusammen mit acht anderen „Kollegen“ kommt der 80-Jährige nicht nur in Pinkafeld, sondern auch im Umkreis bei den Kindern zu Besuch. „Wir sind in Pinkafeld die größte Nikolaus-Gruppe des Burgenlandes“, sagt der 80-Jährige stolz. Den Erlös, der bei den Hausbesuchen eingenommen wird, kommt übrigens wieder Familien zugute: Jedes Jahr um Weihnachten bekommen Bedürftige vom Nikolaus eine Unterstützung.

Das Böse vertreiben

Nicht gar so freundlich schauen andere Gesellen aus, die dieser Tage die Gegend unsicher machen. Dabei liegen auch den Markt Allhauer Perchten Kinder am Herzen. Und auch sie wollen das alte Brauchtum aufleben lassen. Die mystischen Gestalten treten vor allem im Dezember und Januar auf. „Sie sollen das Böse und Schlechte im alten Jahr vertreiben. Und ein leichter Schlag mit dem Rossschweif soll Glück bringen“, erklärt Laci Herczeg, Obmann der Markt Allhauer Perchten.

Seit 15 Jahren gibt es den Verein, die Zahl der Mitglieder wächst kontinuierlich. Auch Herczegs Sohn sei bereits im Alter von drei Jahren bei den Läufen dabei gewesen, ebenso seine Tochter. Etliche der Vereinsmitglieder sind unter 16 Jahre alt. „Durch unseren Verein halten die Mitglieder mit Unterstützung deren Familien noch mehr zusammen“, sagt Herczeg. Schließlich gelte es, bis zu den Raunächten im Jänner Dutzende Läufe auf Anfrage zu absolvieren. Fürchten sollen sich die Zuschauer aber nicht, sagt Herczeg: „sie sollen staunen“.