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Chronik Burgenland Regionalumfrage
10/01/2019

„Am Abend höre ich nur die Grillen zirpen“

Musiker und Kabarettist Christof Spörk kam nach 20 Jahren in Wien mit seiner Familie ins Südburgenland – und wurde hier glücklich.

von Stefan Jedlicka

Er liebt Lateinamerika, tourte als Musiker mit den Global Krynern durch Europa und ist als Kabarettist viel unterwegs. So richtig zu Hause fühlt sich Christof Spörk aber im Südburgenland. „Ich habe ja sozusagen den permanenten Vergleich, aber es ist nirgends besser als hier“, schwärmt er. Aus Wien zog es ihn vor acht Jahren mit der Familie sozusagen in die Provinz. „Wir waren in der Stadt nicht mehr so richtig glücklich und haben uns einfach auf die Suche gemacht“, erinnert sich der 47-Jährige im Gespräch mit dem KURIER. Die Entscheidung habe man seither nie bereut.

„Genügen uns selbst“

Fehlende Infrastruktur im Süden, lange Wege nach Wien. All die Kritikpunkte, die immer wieder zu hören sind – den Spörks machen sie nichts aus. „Wir genügen uns selbst“, sagt er schmunzelnd. „Die Welt ist bei uns zu Hause. Wir sind international.“ Es sei eine „Lebensphasen-Entscheidung“ nach 20 Jahren in Wien gewesen. „Ich brauche die Stadt nicht mehr. Mit vier Kindern ändert sich die Perspektive. Und unser soziales Netz ist hervorragend, weil wir viel Platz haben, um Freunde einzuladen.“

Das Pendeln bereite ihm kein Kopfzerbrechen, die nötige Infrastruktur sei vorhanden. „Der Billa ist in Kitzbühl auch nicht schöner als bei uns“, lacht er. „Wir haben die wunderschöne Landschaft, die entspannte Kultur. Und am Abend höre ich nur die Grillen zirpen.“

Mexiko und Kuba

Die Stille sei ihm mittlerweile besonders wertvoll geworden, sagt der Vielgereiste. „Egal wo ich unterwegs bin, es ist eigentlich immer laut. Zuhause ist es mucksmäuschenstill.“ Die nötigen Verbindungen aufrecht zu erhalten, sei im Internet-Zeitalter im übrigen keine Frage des Wohnortes mehr, sagt Spörk.

Dabei zog es den gebürtigen Steirer durchaus in die Welt hinaus. Er studierte Politikwissenschaft, Englisch und Spanisch an den Universitäten Wien, Valladolid (Spanien) und in Santiago de Chile sowie Jazzgesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Er promovierte zum Thema „Musik und Politik in Kuba 1959 bis 1999“ und hatte sogar einen Lehrauftrag für Politikwissenschaft am Wiener Lateinamerika-Institut. „Ich habe aber bald erkannt, dass dort nicht mein Platz ist“, erzählt er. Seine Begeisterung für Lateinamerika ist geblieben. „Der Mann meiner Cousine ist Mexikaner und es hat mir gefallen, wie viel Schwung er in Familienfeiern gebracht hat. Mir gefällt an den Lateinamerikanern die Sprache, die Musik und die menschliche Wärme. Außerdem habe ich immer die Berge geliebt, daher faszinieren mich die Anden.“

Global Kryner

Auch eine kurze Karriere im Journalismus ließ er hinter sich. „Für richtige harte Recherche hat mir dann doch die nötige Neugierde gefehlt. Da bin ich lieber entspannter Medienkonsument“, meint er im Rückblick. Einen noch kürzeren Auftritt gab es im letzten Wahlkampf des Liberalen Forums, ehe Spörk 2002 gemeinsam mit Sebastian Fuchsberger die Band Global Kryner gründete. Die erste CD hielt sich 42 Wochen in den Charts. Die zweite CD belegte schon in der ersten Woche Platz zwei.

Song Contest

2005 gewannen die Global Kryner die österreichische Vorausscheidung für den Song Contest in Kiew, schieden dort jedoch im Semifinale aus. Die Gruppe veröffentlichte sechs CDs und trat in Österreich, Deutschland, Liechtenstein, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, England, Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Serbien, der Ukraine und Mexiko auf. Im Oktober 2013 verabschiedete man sich mit der „Servus“-Tour.

Musikalische Familie

Die Liebe zur Musik ist in der Familie ausgeprägt. Spörks Ehefrau ist Pianistin, unterrichtet auch im Burgenland, seine Tochter besucht das Konservatorium in Eisenstadt. Er selbst spielt gern Klavier und Ziehharmonika. „Gesungen wird bei uns sowieso sehr viel“, sagt er. „Und Instrumente stehen zu Hause immer herum. Musik ist für uns Leidenschaft und Kommunikation.“Bereits von 1991 bis 2005 war er Klarinettist, Sänger und Texter bei der Kabarett-Musikgruppe „ie Landstreich, die 2003 mit dem „Salzburger Stier“ ausgezeichnet wurde. Mit Landstreich veröffentlichte Spörk vier CDs. 2016, 2017 und 2018 spielte man jeweils eine kurze „Vorzeitige Wiederauferstehungstour“.

„Freundlich sein“

2011 debütierte Christof Spörk als Musikkabarettist mit seinem ersten Soloprogramm „Lieder der Berge“, das noch im selben Jahr mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde. 2019 stellte er sein bereits fünftes Kabarettprogramm „KUBA“ vor.

Eingelebt habe er sich zu Hause im Südburgenland längst, sagt er. „Ich bin ja auch am Land aufgewachsen. Mein Vater war Forstmeister und ich habe erlebt, wie er mit den Menschen kommuniziert hat.“ Als „Zugereister“ fühle er sich nicht. „Es hilft natürlich, wenn man freundlich ist“, lacht Spörk. „Auch zur Feuerwehr werde ich immer wieder eingeladen, aber das muss die nächste Generation übernehmen.“