Chronik | Burgenland
23.01.2012

Prozess um verkohlte Frauenleiche

Agustin S., der wegen Mordes an einer Pensionistin angeklagt ist, gibt Leichenschändung zu. Ermordet will er die Frau nicht haben.

Ich erinnere mich noch gut an diesen 20. Juli 2010. Als ich auf dem Weg zum Tatort war, fielen mir die ungeklärten Prostituiertenmorde ein. Als ich dann diese bestialisch hergerichtete Frau sah, habe ich mir und ihr geschworen, alles zu tun, den Täter zu finden, damit er so etwas nie wieder machen kann.“ Mit einem äußerst emotionalen Plädoyer eröffnet Staatsanwalt Gregor Adamovic am Montag den Prozess gegen Agustin S., der am 20. Juli 2010 die 72-jährige Lydia Dobija erschlagen und anschließend verbrannt haben soll.

Auf der Videowall im Gerichtssaal sehen die Geschworenen die grausamen Fotos der Toten. Sie sehen und lesen ihre Liebesbriefe an den Angeklagten und sie erfahren auch, was der Angeklagte nach der Tat im Internet gesucht hat. Er surfte zuerst Nachrichtenseiten an, dann Partner- und Pornoseiten. Wenige Tage später gibt er eine Google-Abfrage ein: „ wie lange bleib bei eine leiche samen drinnen“. ( sic! )

Der Angeklagte – er ist sechsfacher Vater und zum vierten Mal geschieden – lauscht dem Staatsanwalt ziemlich emotionslos. Er bekennt sich nur der „Totenschändung“ schuldig, nicht aber des Mordes. Er erzählt, dass er der Frau im Auto zuerst mit der Faust gegen den Kopf geschlagen habe, anschließend habe er ihr noch mit der Stange der Lenkradsperre eine über den Kopf gezogen.

„Ich bin dann mit dem Auto stehen geblieben und habe sie wie ein Baby aus dem Auto genommen und draußen auf den Boden gelegt“, schildert Agustin S. Dann erfahren die Geschworenen noch, dass er ihr mit den Füßen solange gegen den Kopf getreten hat, bis das Gehirn ausgetreten ist. Außerdem habe er ihr den Rock über den Kopf gezogen, damit er sie nicht mehr sehen müsse. Richter Alfred Ellinger fragt ihn, ob er sich an ihrem Tod schuldig fühle.

Verwunderung

„Nein, ich habe sie nicht getötet, sie ist gestorben“, antwortet der 60-jährige Argentinier zur Verwunderung der Anwesenden. Er gibt der Toten die Schuld an dem Vorfall. Sie habe ihn in eine Beziehung gedrängt, die er nie wollte. „Frau Dobija ist ihm ziemlich nachgestiegen. Sie war der aktive Teil. Er hat die Nerven verloren. Es war Körperverletzung mit Todesfolge“, sagt Verteidiger Farid Rifaat.

Für Ankläger Adamovic ist es „kaltblütiger Mord“. Denn zu lange habe S. geleugnet. Immer wieder habe er seine Aussagen revidiert und den Ermittlungsergebnissen angepasst. Erst als ihn DNA- und Spermaspuren in und auf der Leiche überführten, gab er den Kontakt mit ihr zu. Verwunderlich sei auch, dass er in seinem Dieselauto einen Benzinkanister mitführte und „extra lange Streichhölzer“, so Adamovic.

Am Montagnachmittag kamen im Mordprozess auch die ersten Zeugen zu Wort. Dabei wurde Agustin S. als liebevoller Familienvater, aber auch als „Womanizer“ beschrieben, der gerne mit Frauen flirtete. Seine Ex-Frau, mit der der Angeklagte vier Kinder hat, wollte vor Gericht nicht aussagen.

Das Urteil wird für Dienstag erwartet.