Chronik | Burgenland
29.11.2017

Poglitsch Top-Favorit für Petschnig-Nachfolge

Sollte FPÖ-Landesrat Petschnig in die türkis-blaue Bundesregierung wechseln, hat der Manager aus dem Südburgenland beste Karten.

Geht er oder geht er nicht – das ist im Eisenstädter Landhaus derzeit die meistgestellte Frage, wenn die Rede auf den freiheitlichen Landesrat Alexander Petschnig kommt. Der 44-jährige Doppel-Akademiker mit Kärntner Wurzeln gilt schon länger als bundesregierungstauglich, im Finale der türkis-blauen Koalitionsgespräche wird er nun als Staatssekretär im Finanzministerium gehandelt (der KURIER hat berichtet).

Im Büro des Landesrates wird derlei wie üblich nicht kommentiert. Petschnig sei Teil des blauen Verhandlungsteams für Wirtschaft & Tourismus sowie Finanzen – Punkt. Personalspekulationen seien hingegen so verfrüht wie das Gackern über ungelegte Eier. Tatsächlich dürfte die Wahrscheinlichkeit für einen Wechsel Petschnigs von Rot-Blau im Land zu Türkis-Blau im Bund derzeit bei 60 zu 40 Prozent liegen, Tendenz steigend. Parteichef und Landeshauptmannvize Hans Tschürtz würde Petschnig jedenfalls keine Steine in den Weg legen: "Wenn es vom Ressort her passt, warum nicht?", sagt der blaue Frontmann. Jetzt gelte es einmal abzuwarten, aber "meine Unterstützung hätte er".

Gut möglich also, dass in den nächsten Wochen nicht nur bei den Roten eine Regierungsumbildung ansteht (Finanzlandesrat Helmut Bieler geht, Hans Peter Doskozil kommt), sondern auch beim kleineren Partner mit zwei Regierungsmitgliedern.

Und da hat der Jennersdorfer Reinhard Poglitsch die besten Karten auf einen Platz neben Tschürtz – wie schon Ende der 1990er Jahre übrigens, als die beiden als FPÖ-Abgeordnete Seite an Seite im Landtag saßen.

2000 schied der Südburgenländer aus dem Landtag aus und setzte seine Karriere beim weltweit führenden Facility Services Unternehmen ISS mit einem aktuellen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro fort. Der HTL-Absolvent, der danach einen MBA-Abschluss am Henley Reading Management College London erwarb, hat sich beim Konzern mit dänischen Wurzeln stetig hinaufgearbeitet und ist derzeit Vorstandsmitglied bei ISS Central Europe, verantwortlich für Israel, Türkei, Italien, Schweiz, Deutschland und Österreich sowie 64.500 Mitarbeiter und zwei Milliarden Euro Umsatz – fast das Doppelte des Landeshaushalts. Seit 2015 ist Poglitsch, der zwischenzeitlich beim BZÖ war und 2007 mit einer eigenen Liste für den Jennersdorfer Gemeinderat kandidierte, im Aufsichtsrat der Energie Burgenland. Die SPÖ, die den Gestaltungswillen Petschnigs mitunter kritisch beäugte, könnte also kaum aufatmen. Denn mit dem 49-jährigen Poglitsch gelänge Tschürtz ein echter Coup.

Was sagt Poglitsch dazu? Das sei doch "eine sehr hypothetische Frage", sagt er zum KURIER. Es stehe weder fest, dass es eine Regierungsbeteiligung der FPÖ gebe, noch, dass Petschnig in die Bundesregierung wechsle. Aber Poglitsch verhehlt nicht: Er fühle sich "sehr geehrt, dass mein Name in diesem Zusammenhang gefallen ist".