Rudersdorf: Die Uhr für das Pflegeheim Wagner tickt
Was passiert, wenn die Tagsatzvereinbarung zwischen Land und Heim endet, ist offen.
Am Montag haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegeheims von Petra Wagner in Rudersdorf Post von Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) bekommen. Die Antwort auf einen Brief, den die Belegschaft vor einigen Wochen an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil geschickt hatte – mit der „dringenden Bitte um ein gemeinsames Gespräch im Interesse unserer Bewohner*innen und Arbeitsplätze“.
Wie berichtet, hat das Land schwere Vorwürfe gegen die Heimbetreiberin erhoben und angekündigt, per Ende Juli die Tagsatzvereinbarung aufzukündigen. Wagner soll eine Gesellschaft gegründet haben, in der sie Eigentümerin ist, und dieser Gesellschaft das seit 2003 bestehende Pflegeheim um zwei Millionen Euro verkauft haben.
„Als Privatperson hat sie einen Gewinn von rund 1,3 Millionen Euro erzielt“, sagte Doskozil im Landtag – denn noch sei das Haus mit rund 600.000 Euro belastet. Dazu habe sich Wagner ein Geschäftsführergehalt von jährlich 190.000 Euro brutto (2024) ausbezahlt und einen Mercedes als Dienstwagen. Das passe nicht zur Gemeinnützigkeit der Pflege, die das Land propagiert.
"Willkürliche Kündigung"
Die diplomierte Krankenschwester und frühere FPÖ-Nationalratsabgeordnete Wagner weist die Vorwürfe zurück und bekämpft die Kündigung der Tagsatzvereinbarung vor Gericht, diese sei „willkürlich“ erfolgt, so Wagners Anwalt Dieter Böhmdorfer.
Unterdessen läuft die Zeit – auch für die 18 Heimbewohnerinnen und -bewohner und die 13-köpfige Belegschaft. Zwar könnten alle Pfleglinge auch ohne Tagsätze des Landes in Rudersdorf bleiben, müssten dann aber den Aufenthalt selbst zahlen. Dass das alle wollen oder können, ist zu bezweifeln.
Seniorenhaus Wagner
Das 2003 von Petra Wagner (57) gegründete Pflegeheim in Rudersdorf im Bezirk Jennersdorf verfügt über 18 Betten. Wagner ist diplomierte Kranken-schwester und war für die FPÖ von 2017 bis 2019 im Nationalrat.
45 Pflegeheime gibt es im Burgenland insgesamt. Bis 2029 müssen alle gemeinnützig wirtschaften, wenn sie Tagsätze des Landes wollen. Gegenwärtig sind neun der 45 Heime noch nicht gemeinnützig. Die Vorwürfe gegen das Pflegeheim Wagner hat LH Doskozil erstmals Ende März im Landtag erhoben.
Für die Bewohner „garantiert“ das Land die Pflege, wurde mehrfach betont. Sollte es nach dem Umzug in ein anderes Heim für Bewohner oder Angehörige „finanzielle Mehrbelastungen bei Pflegeplätzen“ geben, würden „wir individuelle Lösungen finden“, versichert Schneemann.
Bisher haben zwei Bewohner das Heim gewechselt, einer blieb in der Region, ein anderer zog in den Landesnorden. Laut Angaben des Landes seien aber schon zwei neue Bewohner in Rudersdorf eingezogen, „obwohl Frau Wagner weiß, dass die Tagsätze auslaufen“. Im Heim heißt es, die Leute wollten alle im Haus bleiben und hoffen noch immer auf eine gütliche Lösung mit dem Land. Das gelte auch für die Belegschaft, die hinter Wagner stehe, sagt die Stationsleiterin zum KURIER.
Dass Schneemann in seinem Brief schreibt, das Land lasse die Mitarbeiter nicht allein und unterstütze bei der allfälligen Suche nach einem neuen Job, wird skeptisch betrachtet. Die Bewerbungsunterlagen ans Land zu übermitteln oder sich direkt bei einem Träger zu bewerben, sei keine große Hilfe. Man habe „Angst um den Job“.
"Größter Pflegeausbau in der Geschichte"
Zum Tag der Pflege hat das Land noch einmal „den größten Pflegeausbau in der Geschichte“ ins Rampenlicht gerückt. Mit einem „flächendeckenden, gemeinnützigen und modernen Pflegenetz soll Versorgungssicherheit in allen Regionen garantiert“ werden, heißt es. Im Zentrum stehe das seit 1. April geltende Pflegestützpunktmodell. „Pflege ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und keine Ware“, betonen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Soziallandesrat Leonhard Schneemann (beide SPÖ).
In Müllendorf wurde ein Hauptpflegestützpunkt eröffnet.
Das Burgenland verabschiede sich von „Gewinnorientierung und zersplitterten Strukturen“. Mit dem neuen System wird das Burgenland in
- 28 Pflegeregionen gegliedert,
- in denen insgesamt 71 Pflegestützpunkte entstehen:
- 28 Haupt- und 43 Nebenstützpunkte.
Pro Region übernimmt künftig eine Organisation die gesamte nicht-stationäre Pflegeversorgung – von der mobilen Pflege und Betreuung über Tagesbetreuung und Wohnen im Alter bis zur Pflege- und Sozialberatung. Das soll „klare Zuständigkeiten, bessere Koordination und langfristige Planungssicherheit“ gewährleisten.
Bis Ende 2026 sollen 15 Pflegestützpunkte in Betrieb sein. Bis spätestens 2029 sollen alle 71 Standorte zumindest in Bau sein – eine deutliche Verzögerung gegenüber früheren Plänen.
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