Pflegeheim Rudersdorf: "Die Chefin ist nicht da, ich gebe keine Auskunft"

Land will nach Vorwürfen Tagsatzvereinbarung kündigen und hat in anderem Bezirk Platz für die 17 Bewohner.
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Es kommt nicht alle Tage vor, dass das Land die Tagsatzvereinbarung mit einem Pflegeheim kündigt – und dieser Schritt von der Regierungsbank im Landtag aus auch noch angekündigt wird. So geschehen am Donnerstag von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Ebenso ungewöhnlich ist das Ausbleiben einer Reaktion der Heimbetreiberin, umso mehr, als diese als Ex-Politikerin mit der Öffentlichkeit durchaus vertraut ist. Auch am Freitag war die frühere FPÖ-Nationalrätin Petra Wagner, Inhaberin und Geschäftsführerin des Seniorenheims in Rudersdorf (Bezirk Jennersdorf) für den KURIER nicht erreichbar. Weder am Mobiltelefon noch im Heim.

 „Die Chefin ist nicht da“, sagt eine freundliche Mitarbeiterin. Zu den Vorwürfen des Landes könne sie nichts sagen: „Ich gebe keine Auskunft und muss mich jetzt um eine Bewohnerin kümmern“.

Stopp der Tagsätze

Warum die Tagsatzvereinbarung – per Ende Juli – beendet wird, begründete Doskozil so: Die Betreiberin habe eine Gesellschaft gegründet, deren Eigentümerin sie ist und ihr Pflegeheim (für das noch 600.000 Euro abzubezahlen seien) dieser Gesellschaft für zwei Millionen Euro verkauft. „Sie hat zwei Millionen Euro als Privatperson bekommen. Wir müssen das finanzieren. Das ist nicht normal und kann es nicht geben. Das wollen wir im Burgenland nicht, das wird eingestellt“, kündigte Doskozil an.

Die Vorgangsweise sei zwar strafrechtlich nicht relevant, aber moralisch nicht mit der Gemeinnützigkeit der Pflege vereinbar, heißt es am Freitag aus dem Büro von Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ).

Die 17 Bewohner des Pflegeheims können auch ohne Tagsatzvereinbarung in Rudersdorf bleiben, müssten dann aber den Aufenthalt selbst zahlen. Das Land versichert, gegebenenfalls für alle Pflegebedürftigen Plätze in Olbendorf (Bezirk Güssing) anbieten zu können. 

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