Alles beim Alten in Parndorf? Kovacs schließt Kandidatur 2027 nicht aus
Wolfgang Kovacs (li.) und Vizebürgermeister Wolfgang Daniel wollen nahtlos weitermachen.
Im Sommer 2022 startete Wolfgang Kovacs mit einer klaren Ansage in den Gemeinderatswahlkampf: „Das wird wirklich meine letzte Periode“, sagte der Chef der „Liste Parndorf“ (LIPA) damals zum KURIER. Vier Jahre später schlägt der Mittsechziger andere Töne an. Trotz überwundener gesundheitlicher Probleme – Kovacs musste sich vor einem Jahr einer Bypass-Operation unterziehen – schließt er eine erneute Kandidatur 2027 nicht mehr aus.
Im KURIER-Gespräch lässt sich Kovacs Optionen offen: „Das letzte Jahr war nicht ganz einfach, da sagt man schnell: Bitte, es reicht. Aber ich bin heute fitter als zuvor und kraxle wieder am Berg herum. Und jetzt überlegen wir, wie es weitergeht.“ Eine vorzeitige Amtsübergabe an Vizebürgermeister Wolfgang Daniel (ebenfalls LIPA) schließt Kovacs inzwischen aus: „Wir sind für fünf Jahre in dieser Kombination gewählt worden und wollen uns nicht mit solchen Sachen aufhalten. Weil wir noch genug zu tun haben.“
Es gibt immer was zu tun
Da wäre etwa ein umfangreiches, rund zwei Millionen Euro teures Kanalsanierungsprojekt, das im kommenden Jahr abgeschlossen wird und das Dorf in Zukunft vor Hochwasser schützen wird. Zudem soll der älteste der drei Parndorfer Kindergärten um eine Krippe erweitert werden. Und beim Böhmteich wird ein neuer Grillplatz gebaut.
Kovacs und Daniel empfangen den KURIER-Redakteur am Dienstag beim Leuchtturmprojekt der ablaufenden Gemeinderatsperiode: Der „Arena 7111“, einem Mehrzweckgebäude, das alle Stückeln spielt. 7,5 Millionen Euro hat der Komplex gekostet, gebaut wurde mit einer Mietkauf-Vereinbarung mit der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft.
Der Sport- und Veranstaltungskomplex "Arena 7111" wurde 2025 eröffnet.
Vom Land habe es dafür, trotz mehrer Förderansuchen, keinen Cent gegeben, wird Kovacs nicht müde zu betonen. Parndorf kann sich solche Projekte mit hoher Investitionssumme dank 682 ansässiger Betriebe leisten, diese spülen dieses Jahr rund sechs Millionen Euro an Kommunalsteuereinnahmen in die Gemeindekasse – Tendenz steigend.
Der Herausforderer
Stefan Wallentich würde diese Geldflüsse da und dort gerne in andere Richtungen lenken. Der designierte Bürgermeisterkandidat der SPÖ, mit 31 Jahren nicht einmal halb so alt wie Langzeitbürgermeister Kovacs, erkennt in der dörflichen Infrastruktur etliche Mankos. Allen voran: „In den letzten zehn Jahren ist Parndorf um 100 Einwohner pro Jahr gewachsen. Bei dieser demografischen Entwicklung ist eine Pflegeeinrichtung unbedingt notwendig. Das hätte man schon vor Jahren in die Wege leiten müssen.“
Stefan Wallentich (31) von der SPÖ Parndorf.
Er habe mit dem Landeshauptmann diesbezüglich bereits das Gespräch gesucht, lässt der Mitarbeiter von SPÖ-Landesrätin Daniela Winkler anklingen, dass sich in Parndorf unter roter Führung hier rasch etwas tun könnte.
Ein weiteres Leibthema von Wallentich: Die Schaffung von leistbaren Bauplätzen und Wohnraum. Dafür würde sich ein Aufschließungsgebiet im Besitz des Landes am Ortsrand anbieten. Doch bis dato wurden sich Gemeinde und Land bei dem entscheidenden Punkt nicht einig.
- Parndorf hat 5.400 Hauptwohnsitze, die Einwohnerzahl hat sich innerhalb von 30 Jahren verdoppelt.
- 1998 eröffnete das Designer Outlet Center, seither hat sich der Ort zum regionalen Wirtschaftsmotor mit heute 4.500 Arbeitsplätzen entwickelt.
- Die 25 Sitze im Parndorfer Gemeinderat verteilen sich derzeit wie folgt: LIPA 14, SPÖ 7, ÖVP 3, FPÖ 1.
Kovacs erzählt dazu: „Landesrat Dorner hat uns als Gemeinde vor etwa einem Jahr eingeladen, mit dem Ersuchen, die Aufschließungskosten zu zahlen. Aber die Privaten haben sich das auch selbst finanzieren müssen und das Land wird nicht anders behandelt. Das habe ich ihm gesagt und seitdem hat er sich nicht mehr gerührt. Wenn ich jetzt in der SPÖ-Zeitung lese, dass sie die Aufschließung dieses riesigen Gebiets ankündigen, dann ist der erste ganz große Kniefall eines möglichen neuen SPÖ-Bürgermeisters schon passiert.“
Bei Sätzen wie diesen spürt der Zuhörer: Wolfgang Kovacs hat von der Politik wirklich noch nicht genug.
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