"Husar" hilft Soldaten, illegale Grenzgänger mittels Wärmebildkamera zu orten.

© Bundesheer/Andreas Jordanich

Chronik | Burgenland
09/11/2016

Panzer und Drohnen an der Grenze

Im Kampf gegen Schlepper hat das Bundesheer technisch aufgerüstet.

Seit 40 Jahren ist Vizeleutnant Robert Pölz beim Bundesheer im Dienst. "Als ich angefangen habe, war ich längere Zeit im Burgenland stationiert", erinnert sich der Vizeleutnant vom Panzerstabsbataillon 3 in Mautern. Dass er hier noch einmal zur Grenzsicherung eingesetzt werde, habe er sich "nicht träumen lassen".

Der Vizeleutnant ist neuerdings mitten in den Weinbergen von Deutschkreutz im Blaufränkischland im Einsatz. Während die Winzer mit der Lese beginnen, überwacht Pölz gemeinsam mit anderen Soldaten die grüne Grenze. Und sie haben Verstärkung mitgebracht. Am Plateau, da wo Besucher gerne den Ausblick über die Weinberge bis ins nahe Ungarn genießen, haben sie einen "Husar" platziert. "Der Husar wird vor allem vom Einbruch der Dunkelheit bis zum Morgengrauen eingesetzt", erklärt Pölz. Das sieben Tonnen schwere gepanzerte Mehrzweckfahrzeug bietet besonderen Schutz gegen Beschuss, Minen, Sprengfallen und Granatsplitter. Eingesetzt wird das Schwergewicht etwa bei Militärstreifen im Ausland oder bei gewalttätigen Ausschreitungen. "Und was macht das Fahrzeug da in unserer idyllischen Weingegend?", fragt ein Winzer, der gerade vorbeikommt.

"Der Husar unterstützt das Bundesheer erstmals bei der Überwachung des Grenzraumes", erfährt der Weinbauer. Mithilfe der im Fahrzeug integrierten Wärmebild- und Nachtsichtgeräte können die Soldaten in der Nacht bis zu zehn Meter weit sehen und Personen auf bis auf fünf Kilometer Distanz erkennen.

Verdächtige

Habe man den Verdacht, dass es sich um illegale Grenzgänger handeln könnte, werden die mobilen Trupps des Bundesheers informiert. Wer verdächtig ist? "Der Bauer mit seinem Traktor nicht", sagt Pölz. Bei verdächtigen Fahrzeugen handle es sich meist um Kleinbusse oder Pkw-Kombis mit verdunkelten Scheiben.

Seit etwa einem Jahr unterstützt das Bundesheer die Polizei bei den Grenzkontrollen (siehe Zusatzbericht unten). "Unser primärer Auftrag ist es, illegale Grenzübertritte zu verhindern", sagt Burgenlands Militärkommandant Gernot Gasser. Dazu würden auch verschiedene technische Hilfsmittel verwendet. Zum Einsatz kamen im Nordburgenland in einem österreichweit ersten Testbetrieb auch schon Drohnen.

Zehn Tage lang drehten die unbemannten Späher im Seewinkel ihre Runden. Gasser spricht von einer "Erfolgsstory". Vor allem die mediale Ankündigung des Einsatzes der 8,5 Kilogramm schweren "Tracker"-Drohnen soll Schlepper von ihrer Tätigkeit abgehalten haben. "Es gab keine Beobachtung von Flüchtlingen während dieser Zeit." Im Oktober sollen die Drohnen wieder ihre Kreise über dem Burgenland ziehen.

Größtes Kontingent steht im Burgenland an der Grenze

Das Bundesheer ist seit dem Vorjahr in Assistenzleistung für das Innenministerium tätig. 884 Soldaten sind derzeit im Burgenland, der Steiermark, Kärnten und in Wien im Einsatz, erklärt Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums. In Wien überwachen die Soldaten die Botschaften.

Das größte Kontingent mit drei Kompanien bzw. 440 Soldaten ist im Burgenland stationiert. Die burgenländisch-ungarische Grenze wurde im Juli in einem österreichweit ersten Testlauf auch mittels sechs Drohnen aus dem Luftraum überwacht. Seit Kurzem sind auch zwei gepanzerte Fahrzeuge im Burgenland sowie einer an der slowenisch-steirischen Grenze in Spielfeld abgestellt. Die „Husaren“ sollen noch bis Ende des Monats an der Grenze eingesetzt werden, danach wird evaluiert.

Im Burgenland haben Polizei und Bundesheer seit April 3973 illegale Grenzgänger aufgegriffen, knapp die Hälfte der Aufgriffe (1820) erfolgte durch das Bundesheer. „Es handelt sich aber keineswegs um einen Wettbewerb zwischen Polizei und Bundesheer“, erklärt Burgenlands Militärkommandant Gernot Gasser. Und er stellt auch gleich eines klar: „Wir sind im Assistenzeinsatz, das Innenministerium legt die Spielregeln fest.“

Etwa 60 Grenzübergänge sowie die Grüne Grenze werden in dem östlichen Bundesland überwacht. Die 17 großen Grenzübergänge kontrolliert die Polizei alleine. Hotspot ist das Nordburgenland rund um den Übergang in Nickelsdorf.