Chronik | Burgenland
27.05.2018

Opfer im Netz werden immer jünger

Rat auf Draht. Viele Jugendliche machen schon vor dem 12. Geburtstag schlechte Erfahrungen

Julia ist zwölf Jahre alt. Ihr Smartphone ist immer dabei. Snapchat und Whats App nutzt sie täglich. So wie Julia sind viele Jugendliche mit neuen Medien untereinander und mit der Welt vernetzt. Gemeine Nachrichten und Beschimpfungen hat die Jugendliche schon selbst empfangen. Sexuelle Belästigung hat sie im Freundeskreis ebenfalls schon mitbekommen. Damit ist sie nicht allein. 1135 Beratungen zum Thema Neue Medien verzeichnete „Rat auf Draht“ im Jahr 2017. Doppelt so viele wie noch 2011. Im Jahr 2017 gab es insgesamt 82.330 Kontakte mit den 17 Mitarbeitern von „Rat auf Draht“.

Studie

Der Notruf für Kinder und Jugendliche hat eine gemeinsame Studie mit SOS Kinderdorf in Auftrag gegeben. Das Institut für Jugendkulturforschung befragte 400 Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren. „27 Prozent waren bereits von sexuellen Übergriffen im Internet betroffen. Mädchen sind dabei drei Mal häufiger als Burschen Opfer geworden“, sagt Krisztina Halasz, Psychologin bei „Rat auf Draht“.

Die Hälfte der Befragten gab an, erste unangenehme Erfahrungen im Internet vor dem 14. Geburtstag gemacht zu haben, 30 Prozent sogar vor dem zwölften Geburtstag. „Wichtig wären aber schon Informations- und Aufklärungsmaßnahmen zu sexueller Belästigung und Gewalt im Internet im Volksschulalter“, sagt Marek Zeliska, Leiter des SOS Kinderdorf Pinkafeld.

Sexting

Ein großes Thema bei der Jugend ist Sexting, bei dem Nacktbilder oder pornografische Videos verschickt werden. Oft geraten diese dann ins Internet und werden unkontrolliert versendet. Viele Jugendliche melden sich bei solchen Vorfällen bei „Rat auf Draht“. „Man muss für die Opfer da sein und vermitteln, dass sie nicht daran Schuld sind, wenn ein einvernehmlich versendetes Foto in Umlauf gerät. Hier muss ganz klar illegales Weiterversenden eines Fotos als das Problem gesehen werden, anstatt das Opfer durch Schuldzuweisungen noch weiter zu belasten“, erklärt Halasz.

Zweites großes Thema ist Mobbing. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt immer mehr. „Früher hatten die Opfer zu Hause dann Ruhe, jetzt geht es über Whats App oder ähnliches weiter“, sagt Halazs. Es ist schwierig die Opfer zu schützen. „Was hilft, sind Interventionen aus der Klasse heraus. Man muss die Schüler so in ihrer Handlungsfähigkeit stärken, dass sie sich trauen bei Mobbingsituationen einzuschreiten“ sagt Halasz. Sowohl im Netz, als auch in der Schule brauche es Zivilcourage und„eine klare Haltung von Seiten der Schule, dass Gewalt in keiner Weise toleriert wird“, sagt die Psychologin.