Hans-Jürgen Groß, Präsident des Behindertenverbandes ÖZIV im Burgenland,

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Chronik | Burgenland
03/18/2019

ÖZIV-Präsident Groß: „Wir haben immer einen Plan B“

Hans-Jürgen Groß, Präsident des Behindertenverbandes ÖZIV im Burgenland, kämpft seit mehr als zehn Jahren gegen Barrieren und für mehr Fördermittel.

„Wenn sich jemand Hilfe suchend an uns wendet, ist er – nach welchem Schicksalsschlag auch immer – in einer Ausnahmesituation und so gut wie handlungsunfähig“, weiß Hans-Jürgen Groß aus eigener Erfahrung. „Für mich ist daher die wichtigste Aufgabe des Verbandes, ihm so viel wie möglich abzunehmen.“ Behördenwege, Anträge, rechtliche Unterstützung, um Ansprüche einzuklagen, all das übernimmt der ÖZIV für seine Mitglieder.

„Ich will nicht, dass man einfach Formulare in die Hand gedrückt bekommt und dann damit allein gelassen wird“, betont der Präsident des „Verbandes für Menschen mit Behinderungen“. „Oft wissen Betroffene nicht, wie es weitergehen soll. Wir wissen es. Wir haben immer einen Plan B“, versichert er.

Große Veränderung

Als Groß den Verband im Jahr 2008 übernahm, zählte er 150 Mitglieder. Heute sind es über 1000. „Wir haben eine gewaltige Veränderung durchgemacht. Sowohl der Verband, als auch ich selbst“, sagt der Präsident. „Wir sind aneinander gewachsen.“ Denn vor Kurzem schloss Groß sein drittes Studium ab. „Ich habe mein Wissen eingebracht und Strukturen verändert“, so Groß. So schloss man beispielsweise eine Kooperation mit einer Rechtsanwaltskanzlei, um Mitglieder bei allen juristischen Fragen begleiten zu können. „Ich habe mich bemüht, dass wir in allen Gremien vertreten sind, in denen für uns relevante Anträge behandelt werden, damit wir nicht nur von außen mitreden.“

Groß war etwa Beiratsvorsitzender der Burgenländischen Gebietskrankenkasse, ist Mitglied im Behindertenausschuss und Behindertensportverband sowie Laienrichter am Bundesverwaltungsgericht. Er gründete eine eigene Kinder- und Jugendsektion im Verband. „Als ich anfing, war ein Kind Mitglied, heute haben wir fast 120, die jünger als 18 Jahre sind“, betont er. Für sie kämpft er um Unterstützungen im Schulbereich. „Weil Bildung die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben ist“, begründet der Präsident.

Hilfe für Schüler

Als „größte Errungenschaft meiner Amtszeit“ sieht er deshalb Verbesserungen bei der Assistenz für Schüler seit 2018. „Dadurch fallen bürokratische Hürden weg und es wird eine individuellere Betreuung betroffener Kinder ermöglicht“, freut er sich. Der bisher notwendige Kostenbeitrag vom Pflegegeld muss nicht mehr bezahlt werden.

Man unternehme laufend Ausflüge mit Kindern, kaufe Sportgeräte und Hilfsmittel an. Neu ist das Programm „Magic Moments“: Konzertbesuche oder Treffen mit Stars und Sportlern sollen den Kindern und Jugendlichen helfen, den Behandlungs- und Therapiealltag eine Zeit lang zu vergessen.

Wünschen würde sich Groß ein neues Fördersystem. „Wir kämpfen ums Überleben, bekommen 15.000 Euro im Jahr. Das ist leider viel zu wenig für die Leistungen, die wir anbieten“, klagt er. „Unser Mitgliederstand hat sich verachtfacht, aber die Förderung ist fast gleich hoch wie vor zehn Jahren.“

Kein Tabu mehr

Dass er mit offen artikulierter Kritik so manchen vor den Kopf gestoßen hat, ist dem Präsidenten klar. Kritik werde er dennoch weiter üben, sagt er: „Sonst wäre ich fehl am Platz. Wir haben die Diskussion über Behinderung immerhin salonfähig gemacht. Vorher wurde darüber gar nicht gesprochen.“