Chronik | Burgenland
26.10.2018

ÖVP: Thomas Steiner gibt‘s jetzt im Doppel

Der Sohn des Eisenstädter Bürgermeisters und Landeschefs der Volkspartei steigt jetzt auch in die Politik ein

„Du kannst ehrlich sein“, ermuntert ÖVP-Landesparteichef Thomas Steiner (51) seinen gleichnamigen Sohn (20), die Frage nach dem politischen Vorbild – der eigene Vater oder doch Kanzler Sebastian Kurz – frank und frei zu beantworten. „Ich tu‘ mir mit Vorbildern schwer“, sagt Steiner junior, seit Kurzem Bezirksobmann der Jungen Volkspartei für Eisenstadt-Umgebung, um dann doch noch eine salomonische Antwort zu geben: Der politische Funke sei vom Herrn Papa übergesprungen, aber dass der aus der JVP kommende Kurz die ÖVP nach oben gebracht habe, sei schon ausnehmend „cool“.

Politiker, deren Söhne selbst aufs politische Parkett drängen, hatten es zuletzt schwer; ihre Partei übrigens auch. Dass Luca Kaiser, Spross des Kärntner SPÖ-Landeshauptmannes Peter Kaiser, auf der Kandidatenliste für die EU-Wahl von der Bundespartei auf einen aussichtslosen Platz gereiht wurde, hat der gebeutelten SPÖ ein weiteres Schleudertrauma beschert und den roten Granden „gedemütigt“, ihm aber auch den Vorwurf des Nepotismus eingebrockt.

Kann sich dergleichen im Hause Steiner wiederholen, sollte auch sein Sohn einmal höher hinaus wollen? „Die Gefahr sehe ich nicht“, reagiert der ÖVP-Landeschef und Eisenstädter Bürgermeister gelassen. Aktuell stelle sich die Frage ohnedies nicht, weil sich sein Sohn auf Bezirks- statt auf Bundesebene bewege und er mit der Wahl von Thomas junior zum Bezirkschef des türkisen Nachwuchses nichts zu tun hatte.

Kritik an Kaiser

Aber grundsätzlich merkt Steiner, der wie Kaiser sein Berufsleben in der Politik verbracht hat, an: „Ich hätte nicht so gehandelt wie Kaiser“: Für Burgenlands ÖVP-Obmann wäre zuerst der Listenplatz zu fixieren, den eine Landespartei bekommt, erst „danach sollte man über Personen reden“. Dabei müsse gelten: „Es sollte nicht so sein, dass jemand etwas wird, nur weil er der Sohn von jemandem ist“. Steiner senior räumt aber ein, dass er „nicht in diese Situation kommen möchte“, denn dabei „Objektivität zu wahren, ist schwierig“.

Derzeit scheint eine solche Situation ohnehin fern, denn Sohn Thomas hat eben erst mit dem Politikwissenschaftsstudium an der Uni Wien begonnen und verschwendet vorerst keinen Gedanken an die Berufspolitik. Dass er bei der Jungen Volkspartei angedockt hat, habe weniger mit seinem Vater als vielmehr mit Freunden zu tun. „Was ich momentan mache, macht mir Spaß“, sagt er und wirkt dabei ganz entspannt. Das scheint auch die passende Bezeichnung für das Verhältnis zwischen Vater und Sohn zu sein. Selbst in der Sturm-und-Drang-Phase der Pubertät sei alles „im Rahmen“ geblieben, brummt der Vater zufrieden und der Sohn berichtet von einem steten Geben und Nehmen: Bei formalen und organisatorischen Fragen sei der politisch erfahrene und juristisch ausgebildete Vater erste Ansprechperson, dafür gebe er dem Altvorderen Ezzes, wenn es um die Befindlichkeiten von Jugendlichen gehe, in Eisenstadt und überhaupt. Wenn schon nicht ins Streiten, so doch ins Hadern kommen sie einzig auf dem Tennisplatz, wo der Ältere gegen den Jungen jetzt „das erste Mal verloren“ hat, bedauert Steiner senior leicht zerknirscht.

„Thomas? Passt“

Bleibt nur noch die Frage, warum Vater und Sohn Thomas heißen? Seine Frau Andrea habe nach der Geburt des Sohnes das Recht auf die Namensgebung gehabt, erinnert sich der ÖVP-Chef. Ihm sei nur die Vetomöglichkeit geblieben und davon habe er reichlich Gebrauch gemacht, um seinen Sohn vor „unmöglichen Namen“ zu bewahren. Schließlich habe seine Frau „Thomas“ vorgeschlagen und er habe zugestimmt: „Passt“.