Längerer Wehrdienst: Burgenlands Militärchef Gasser für politische Entscheidung
Burgenlands Militärkommandant Gernot Gasser hat sich noch nie gescheut, Klartext zu sprechen: „Eine Verlängerung des Grundwehrdienstes wäre militärisch wünschenswert, wird aber wenig Fans finden“, deponierte der Brigadier schon im Rahmen eines KURIER-Interviews zu seiner Amtseinführung Ende 2017.
Jetzt, mehr als acht Jahre später, stehen die Chancen so gut wie lange nicht.
Eine von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Wehrdienstkommission hat sich für die Verlängerung des Präsenzdienstes ausgesprochen.
Gasser bevorzugt die Variante mit acht Monaten Grundwehrdienst plus 60 Tage Milizübungen, ließ er die APA nun wissen. Eine Entscheidung über die Modelle sollte Mitte dieses Jahres fallen, die Umsetzung sei 2027 möglich: „Generell drängt die Zeit“, so Gasser mit Blick – nicht nur – auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine.
„Nicht populär“
Dass Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) am Freitag angekündigt hat, über eine Reform von Grundwehrdienst und Zivildienst per Volksbefragung entscheiden zu lassen, ist ein Dämpfer.
„Natürlich“, so der Brigadier zum KURIER, sei wichtig, „die Bevölkerung mitzunehmen und umfassend zu informieren“ – das heiße aber nicht unbedingt und ausschließlich, ihr auch die Entscheidung zu überlassen. „Wenn ich einen Betroffenen frage, wird er nicht begeistert sein, länger zum Bundesheer zu müssen“, ist der Militär illusionslos.
Die Verlängerung des Wehrdienstes sei „nicht populär, aber notwendig“. Insofern hat Gasser gehofft, dass gewählte Politiker nach einem „parlamentarisch-politischen Diskurs“ ihrer Verantwortung gerecht werden und „strategische Entscheidungen treffen“.
Ein Modellwechsel beim Präsenzdienst sei dringend notwendig, die derzeitige Variante mit sechs Monaten ohne verpflichtende Milizübungen sei für eine allgemeine Friedensphase geeignet.
Mit Sommerreifen im Schnee
„Aus der Sommerzeit wurde ein radikaler Wintereinbruch und wir stehen jetzt mit Sommerreifen in einer Winterlandschaft“, stellte der Militärkommandant fest. Ohne verpflichtende Milizübungen bräuchte das Heer bei einer Mobilmachung noch gut zwei Monate, um einsatzbereit zu sein.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Um die Fähigkeit der Luftabwehr sicherzustellen, bekommt das Burgenland eine von vier Flugabwehrbatterien.
Und weil die illegale Migration nachgelassen hat, wird der Assistenzeinsatz heruntergefahren. Aktuell sind noch 270 Assistenzsoldaten im Burgenland im Einsatz (es waren auch schon 750), Ende März geht die Zahl auf 150 zurück.
Fürs Bundesheer sei der Assistenzeinsatz „Gift“, hatte Gasser einmal gesagt – weil die Soldaten nie fertig ausgebildet werden können.
Ein Mann der klaren Worte.
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