Längere Wehrpflicht: Burgenlands Militärkommandant drängt auf Umsetzung
Der burgenländische Militärkommandant Brigadier Gernot Gasser spricht sich für die Verlängerung der Wehrpflicht auf acht plus zwei Monate aus. Es sei notwendig, die Einsatzbereitschaft an die aktuelle geopolitische Lage anzupassen, erklärte Gasser im APA-Gespräch.
Das Militärkommando Burgenland bekommt in Zuge dessen auch eine der vier Flugabwehrbatterien mit neun sogenannten Skyrangern. Reduziert wird in den nächsten Wochen hingegen der Assistenzeinsatz.
"Der erste Schritt, die Budgeterhöhung, war richtig, jetzt müssen wir den zweiten Schritt machen", appelliert er an die Politik, die Empfehlungen der von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzten Wehrdienstkommission umzusetzen. Die Kommission sprach sich vergangene Woche für die Verlängerung des Präsenzdienstes aus.
Gasser forciert die Variante mit acht Monaten Grundwehrdienst plus 60 Tage Milizübungen. Eine Entscheidung über die Modelle soll Mitte dieses Jahres fallen und die Umsetzung sei bereits 2027 möglich: "Generell drängt die Zeit", verwies er auf das ebenfalls kürzlich vorgestellte "Risikobild 2026".
Gasser: "Stehen mit Sommerreifen in einer Winterlandschaft"
Ein Modellwechsel beim Präsenzdienst ist aus seiner Sicht dringend notwendig, denn die derzeitige Variante mit sechs Monaten - und ohne verpflichtende Milizübungen - sei lediglich für eine allgemeine Friedensphase geeignet: "Aus der Sommerzeit wurde ein radikaler Wintereinbruch und wir stehen jetzt mit Sommerreifen in einer Winterlandschaft", stellte der Militärkommandant fest.
Ohne die verpflichtenden Milizübungen bräuchte das Heer im Falle einer Mobilmachung noch gut zwei Monate, um überhaupt einsatzbereit zu sein, gab er weiters zu bedenken: "Das ist die Problematik und das ist inakzeptabel."
Die Ausbildung der Grundwehrdiener gliedere sich in drei Schritte: die Einzelausbildung, die Gruppenausbildung und die Truppenausbildung. Hierfür brauche es acht Monate, betonte Gasser. Angesichts immer komplexerer Einsatzszenarien und Waffen könne in acht Monaten auch ein wesentlich höheres Ausbildungsniveau erreicht werden.
"Die geopolitische Lage ist so ernst, dass wir unserer Verantwortung gegenüber den österreichischen Staatsbürgern gerecht werden müssen. Um den aktuellen Ansprüchen nachzukommen, braucht es die Modellumstellung."
Verlängerung "nicht populär, aber notwendig"
Der Militärkommandant räumte ein, dass die Verlängerung "nicht populär, aber notwendig ist": "Popularität ist das eine, aber die Verantwortung für die Staatsbürger das andere. Wir müssen den Soldaten eine faire Chance geben, um im Einsatz bestehen zu können."
Er appellierte an die Politik, die österreichische Landesverteidigung über Parteipolitik zu stellen, dies wäre angesichts der möglichen Bedrohungsszenarien "unwürdig".
Der "Aufbauplan 2032" sieht die Transformation des Bundesheeres in Richtung Verteidigungsbereitschaft vor. Um die Fähigkeit der Luftabwehr sicherzustellen, bekommt das Burgenland daher eine von vier Flugabwehrbatterien. Die ersten von insgesamt neun gepanzerten Fahrzeugen der Pandur-Linie treffen 2027 ein.
Zurückgefahren wird hingegen in den nächsten Wochen die Mannstärke beim Assistenzeinsatz. Aktuell sind noch 270 Assistenzsoldaten im Burgenland im Einsatz, Ende März geht die Zahl auf 150 zurück.
"Es wird reduziert, weil die Migration erheblich nachgelassen hat. Die Anpassung ist daher zulässig." Sollten wieder wesentlich mehr Flüchtlinge über die grüne Grenze kommen, kann auch die Zahl der Assistenzsoldaten nach oben angepasst werden, so Gasser.
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