Chronik | Burgenland
23.08.2018

Norbert Hofer soll die blauen Stimmen maximieren

FPÖ-Minister überlegt Antreten im Burgenland im Jahr 2020, SPÖ und ÖVP geben sich gelassen

Aussagen von Politikern sind selten in Stein gemeißelt, das weiß man, seit Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) 2010 zuerst auf die Wehrpflicht und dann auf ein Berufsheer geschworen hatte. Jetzt hat auch ein anderer Norbert eine frühere Meinung relativiert: Nachdem FPÖ-Landeschef Hans Tschürtz in den vergangenen ein, zwei Jahren mehrfach Norbert Hofer als möglichen blauen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Frühjahr 2020 lanciert hatte, wollte es der KURIER genau wissen und fragte Hofer kurz vor der Nationalratswahl im Herbst 2017. Eine Rückkehr ins Burgenland sei „ausgeschlossen“, sagte der weitaus prominenteste Freiheitliche des Landes damals dezidiert.

Jetzt überlegt er doch – was ist seither passiert? Er sei zuletzt immer wieder von Tschürtz und der 3. Landtagspräsidentin Ilse Benkö „sehr intensiv“ angesprochen worden, sagte Hofer am Mittwoch. Er habe sich noch nicht entschieden und es bestehe kein Zeitdruck, bis zu einem Jahr könne man noch zuwarten; jedenfalls werde entweder er oder Tschürtz antreten, einen dritten Kandidaten gebe es nicht. Es gelte abzuwägen, ob er dem Burgenland als Minister oder in einer Funktion im Land mehr nützen könne, sagte der frühere Präsidentschaftskandidat ganz staatstragend. Dass sich Wähler im Burgenland getäuscht fühlen könnten, wenn er – wie von Tschürtz angedeutet – nur als Landeshauptmann bliebe, sieht Hofer nicht so. Aus blauer Sicht spricht viel für ein Zugpferd Hofer, der bei der Bundespräsidenten-Stichwahl im Burgenland auf 61,4 Prozent kam, während die FPÖ bei der Landtagswahl 15 % erreichte. Hofer, so die Überlegung, würde den Blauen deutlich mehr Stimmen bringen als Tschürtz und wenn’s für den Landeschef nicht reicht, bliebe er in Wien. SPÖ, die Hans Peter Doskozil ins Rennen schickt, und ÖVP (noch offen) geben sich gelassen: Ob Hofer antrete, sei „Sache der FPÖ“, sagt Christian Dax, Parteimanager von Regierungspartner SPÖ und für ÖVP-Manager Christoph Wolf ist „einerlei“, wen die FPÖ nominiere.