Julius Koch macht seine Arbeit gern und hat 40 Jahre Erfahrung im Schuhmacherhandwerk

© /Roland Pittner

Rechnitz
06/16/2014

"Noch nie" Schuhe gekauft

Julius Koch ist einer der letzten Schuhmachermeister und spezialisiert auf traditionelle Arbeitsstiefel.

von Roland Pittner

"Alle fahren mit teuren Autos und laufen in billigen Schuhen", sagt Julius Koch, einer der letzten Schustermeister des Burgenlandes. Der 65-Jährige bleibt seit Jahrzehnten bei seinen Leisten und stellt in Rechnitz, Bezirk Oberwart, die traditionellen Arbeitsstiefel her – die Csizmen. Aber auch sonst alles, was Kunden wünschen.

Die Csizmen waren das Aushängeschild des Schuhmacherhandwerks in Rechnitz. Immerhin fanden sich vor dem Zweiten Weltkrieg zur Höchstzeit 36 Schuhmacher-Meisterbetriebe im Ort, die 300 Mitarbeiter beschäftigten. Die industrielle Produktion hat das Handwerk bis heute sehr ausgedünnt.

Fünf Generationen

Julius Koch sitzt aber auch heute noch in seiner Werkstatt am Schusterhocker, wie in den vergangenen 40 Jahren und macht Schuhe. "Fünf Generationen meiner Familie haben jetzt schon mit Stiefeln zu tun", sagt Koch, denn auch sein Sohn ist dem Handwerk treu geblieben, er führt ein Geschäft für orthopädische Schuhe.Die Werkstatt des Meisters wird noch immer frequentiert. "Bei den Stiefeln sind vor allem Musikvereine treue Kunden", sagt der Schuster. Auch ein Motorradgeschäft in Vorarlberg wird beliefert und Csizmen werden in ganz Österreich getragen. Das Spannende an der Arbeit ist für Koch, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. 15 bis 17 Stunden dauert die Produktion. "Es gibt nur den Fuß und das Leder", schildert der Schuster.Das Leder sei auch eines seiner größten Probleme. "Es gibt in Österreich keine Gerbereien mehr und im Ausland muss man gleich 200 Meter für eine Lieferung bestellen", sagt Koch. Auch die Ersatzteile für die alten Maschinen werden knapp. Die Nachfrage nach Schusterware ist generell sehr gering, "sogar das Garn gibt es nur mehr in Haushaltsmengen – für Bastler", sagt Koch. Ans Aufhören denkt der 65-Jährige nicht: "So lange es geht, bleib ich auf meinem Schusterhocker sitzen." An seine Füße lässt der Meister nur Selbstgemachtes oder Gesundheitsschlapfen aus dem Geschäft seines Sohnes: "Schuhe habe ich mir noch nie gekauft, so weit wird es auch nicht kommen."

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