Chronik | Burgenland
15.06.2018

Dreck, Bier und Rock`n`Roll auf den Pannonia Fields

Nova Rock. Das Festivalgelände bei Nickelsdorf ist nach Regen aufgeweicht

Ein Königreich für ein Paar Gummistiefel, lautete am Freitag die Losung auf den Pannonia Fields bei Nickelsdorf. Nach weiteren Regenfällen in der Nacht zuvor ist dem Gatsch auf dem weitläufigen Nova-Rock-Gelände auch am zweiten von vier Festival-Tagen kaum zu entkommen. Aus dem seelischen Gleichgewicht bringt das hier aber niemanden, Gelassenheit regiert – zumal die Sonne schon am Vormittag ein längeres Gastspiel gibt.

Martin, Andi und Maxi schweben ohnehin über diesen Niederungen, die drei lustigen Salzburger haben gerade Dosenbier-Nachschub aus dem Auto geholt – drei Paletten pro Mann und Nase. Vielleicht hundert Meter weiter haben es sich vier Mittzwanziger aus Linz unter einem Sonnensegel bequem gemacht, das passende Schuhwerk steht griffbereit daneben. Sie seien schon in erster Linie der Bands wegen ins Burgenland gekommen – Marilyn Manson etwa (siehe auch Seite 37) – und nicht nur wegen der speziellen Atmosphäre in Nickelsdorf, geben Anna, Julia, Tobias und Wolfgang bereitwillig Auskunft. Und der Gatsch – na ja, das sei nun mal nicht zu ändern. Wenn er sich etwas wünschen dürfte, seien es „mehr Pissoirs“, wirft Tobias noch ein.

Aufwärmen im Zelt

Der tiefe Boden und hygienische Untiefen sind auch ein paar Zelte weiter ein Randthema: Die beiden Niederösterreicher Gerald Schmidt und Manuela Stalzer sind zum ersten Mal beim Nova Rock und finden das Zelten am Feld durchaus „gemütlich“ – wäre da nicht – erraten – der Gatsch: Dass dagegen nicht mehr Hackschnitzel zum Einsatz kommen, sei wohl eine Frage der Kosten, räsoniert der Nova-Rock-Novize und seine Gefährtin beklagt, dass der Zustand der Toiletten „besonders für Frauen nicht gerade berauschend ist“.

Mit diesen kleinen Unzulänglichkeiten müssen auch die Bewohner des „Zelt-Hotels“ leben, das ein slowakisches Unternehmen betreibt. Die 2000 Plätze in den uniformen Zwei-Personen-Zelten seien fast ausgebucht, erzählt Pavol aus Bratislava. 70 Euro kostet die Zelt-Miete, für 30 weitere gibt es ein Schließfach samt Steckdose zum Handy-Aufladen.

Apropos: Ein angezeigter Handy-Diebstahl war schon das gröbste Delikt, das die Polizei bisher vermeldete. Aufwärmen statt Aufladen war hingegen die Devise für einige Festivalbesucher. Zu leichte Kleidung und der Regen hätten da und dort zu Unterkühlung geführt, erzählt Rot-Kreuz-Einsatzleiter Thomas Horvath. Zwei der vier Rettungszelte wurden deshalb zwischenzeitlich beheizt, unterkühlte Fans konnten sich wieder auf Betriebstemperatur bringen. Bisher seien 400 Patienten mit kleineren Verletzungen wie Verstauchungen betreut worden, was bei rund 50.000 Gästen pro Tag nicht aufregend sei. Insgesamt ist das Rote Kreuz mit 150 Sanitätern und acht Notärzten vor Ort. Einzig der tiefe Boden habe die Zufahrt der Rettungswägen erschwert – der Gatsch, der grausliche.