Chronik | Burgenland
21.05.2017

Nein zum Ausverkauf des Sees

Bürgerinitiative ortet durch Verbauung Gefahr für das UNESCO-Welterbe Neusiedler See.

"Wir haben fast 2000 Unterschriften gesammelt und werden diese an die UNESCO übergeben. Denn wir befürchten, dass das Welterbe verloren gehen könnte", sagt Rudolf Golubich, Gründer des Vereins "Freunde des Neusiedler Sees" und gleichzeitig Initiator der Online-Petition "Rettet den Neusiedler See".


Derzeit wird in vier Orten am See gebaut, in Breitenbrunn soll 2019 begonnen werden. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Verein das Projekt "Am Hafen" in Neusiedl am See. Neben einem Hotel sollen auch 23 Eigentumshäuser mit direktem Seezugang entstehen. Die Arbeiten haben bereits begonnen.

Das Grundstück ist im Flächenwidmungsplan der Stadtgemeinde Neusiedl als Bauland für Erholungs- und Fremdenverkehrseinrichtungen gewidmet."Es fällt in die Sonderzone Neusiedler See, die nur touristisch genützt werden darf", sagt Peter Zinggl, Hauptreferatsleiter der Abteilung Landesplanung. Dennoch wirbt der Projektbetreiber auf der Homepage, der Bau sei "ganzjährig nutzbar". Von touristischen Zwecken ist jedoch keine Rede. "Deswegen wird das Projekt auch nochmals geprüft", sagt Zinggl.

Ein Veto kommt auch von der Stadt. Thomas Halbritter, Stadtrat und Bürgermeisterkandidat in Neusiedl (ÖVP): "Ja zum Tourismus, ein klares Nein zum Ausverkauf des Sees. Es ist wichtig, dass wir achtsam mit unserer Natur umgehen. Wir dürfen das, was uns besonders macht, nicht ausverkaufen." Vizebürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) formuliert es noch drastischer: "Es ist ein Wahnsinn, was da in den See hineingebaut wird."

Keine Rechtsgrundlage

Dass der Neusiedler See durch die zunehmende Verbauung zukünftig nicht mehr UNESCO-Welterbe sein könnte, sei laut Ulrike Herbig von ICOMOS Österreich (offizielle Beratungsinstitution der UNESCO, die das nationale Monitoring von Welterbestätten durchführt) nicht ganz von der Hand zu weisen. "Das Welterbemanagement Burgenland bemüht sich.

Das Problem ist, dass der Gestaltungsbeirat nur Vorschläge geben kann, es aber keine rechtliche Handhabe gegen Verstöße der Baurichtlinien gibt", sagt Herbig. Wird eine Veränderung als bedenklich eingestuft, wird die UNESCO in Paris eingeschaltet: "Im Burgenland war das beim Ausbau des Windparks der Fall." Die Welterbe-Expertin appelliert daher an die Bevölkerung, sich gegen das Projekt aufzulehnen. "Am meisten hilft das Bürgerengagement. Die Bewohner müssen sich bewusst sein, in welchem Schatz sie leben. Das Welterbe Neusiedler See gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Das muss erhalten bleiben, auch für die Nachkommen."

Dass Bürgerprotest Projekte zu Fall bringen kann, zeigte sich bereits in der Vergangenheit: So hatte die "Initiative Welterbe" beim Bau des Pannonia Tower Hotel Parndorf bewirkt, dass dieses statt geplanter 74 Meter nur 47 Meter hoch wurde. Und auch einer Herzklinik in Winden am See wurde nach heftigen Protesten eine Absage erteilt. Diese hätte im Natura-2000-Gebiet gebaut werden sollen.