„Mit Sozialplan hat das wenig zu tun“

© Bild: ÖGB

Nach Aus für Enercon-Werk. Gewerkschafter Bernd Rehberger will Entscheidung bis nächste Woche, Förderungsregress ist möglich

Nach dem angekündigten Aus für die „Turmfabrik“ in Zurndorf fordert die Gewerkschaft vom Unternehmen einen „echten Sozialplan“ für die Mitarbeiter. Und die Wirtschaft Burgenland (WiBUG) als Förderstelle des Landes prüft die Rückforderung von Förderungen.

Wie berichtet, war in der Karwoche bekannt geworden, dass die zum deutschen Windanlagen-Konzern Enercon gehörende Windenergiekomponentenfertigung Austria GmbH (WKF) am 27. April die Produktion von Betontürmen für Windräder einstellen und das erst vor fünf Jahren auf die grüne Wiese gestellte Werk stilllegen will. 96 Mitarbeiter (davon 76 Arbeiter) und einige Leiharbeitskräfte verlieren den Job (noch im vergangenen Sommer gab es 237 Beschäftigte). Die Begründung aus der Enercon-Zentrale im norddeutschen Aurich: Massive Auftragseinbrüche, weil die Politik in Österreich und Deutschland bei den Rahmenbedingungen säumig gewesen sei. Dazu kommt, dass der erhoffte Windkraft-Boom in den ostmitteleuropäischen Staaten (Ungarn, Slowakei) ausgeblieben ist.

Rund 20 Prozent der Gesamtinvestition von 34 Millionen Euro seien gefördert worden, erklärte WiBUG-Chef Harald Zagiczek auf KU RIER-Anfrage. Der größte Teil dieser rund 6,5 Millionen Euro sei vom EU-Fonds EFRE gekommen, der Rest von Bund und Land. Untermauert werden die Regress-Überlegungen, weil im Fördervertrag ein Fortbestand der WKF zumindest bis 2019 fixiert sei.

Nicht gut zu sprechen auf Enercon ist auch die Gewerkschaft. „Mit einem Sozialplan hat das wenig zu tun“, sagt Bernd Rehberger , Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz, zum Angebot. Während die Betriebsleitung nur eine „Abfertigung“ biete, wolle der ÖGB auch berücksichtigt wissen, ob ein Mitarbeiter Kinder habe oder Kredite zurückzahlen müsse. Diese Woche will Rehberger noch abwarten, aber bis 20. April sollte alles unter Dach und Fach sein, denn eine Woche später beginnt die Kündigung. Der Gewerkschafter, der einst selbst bei WKF gearbeitet hat, rechnet damit, dass 25 Mitarbeiter für diverse Arbeiten noch bis Ende Oktober bleiben. Rund die Hälfte der 76 Arbeiter dürfte gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, so gebe es etliche begehrte Eisenbieger. Aber für die rund 15 über 50-jährigen Mitarbeiter sehe er schwarz. Was Rehberger wurmt: Viele Mitarbeiter aus der Region hätten für die Turmfabrik einen sicheren Job etwa beim Flughafen Wien aufgegeben, um nicht mehr so weit pendeln zu müssen.

Was will die Gewerkschaft tun, wenn der Sozialplan nicht passt? Man habe Informationen rund ums Unternehmen, welche die Öffentlichkeit vielleicht interessieren, so Rehberger kryptisch. Von WKF war am Dienstag niemand erreichbar.

( kurier.at , thor ) Erstellt am 11.04.2018