Chronik | Burgenland
04.07.2017

Missbrauchsfälle: Ex-Priester war auch im Burgenland tätig

Dem 53-jährigen Deutschen wird schwerer sexueller Missbrauch in mehr als 100 Fällen vorgeworfen.

In der Vorwoche hat die Staatsanwaltschaft Deggendorf (Bayern) Anklage gegen einen 53-jährigen Ex-Priester erhoben, dem unter anderem der Missbrauch von fünf Buben in mehr als 100 Fällen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Polen vorgeworfen wird. Eines seiner Opfer stammt aus dem Bezirk Krems-Land, wo sich der Verdächtige 2012 aufgehalten hat, sagt Oliver Baumgartner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Deggendorf. Außerdem soll der Tatverdächtige im Zeitraum zwischen Ende 1995 und Anfang 1996 in Wiener Neustadt versucht haben, eine damals 18-Jährige zu vergewaltigen.

Der Beschuldigte dürfte nicht nur in Niederösterreich tätig gewesen sein. "Er war im Burgenland eine Zeit aufhältig", bestätigt Roland Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Eisenstadt. "Es hat sich dann aber herausgestellt, dass die Sachen, die ihm vorgeworfen werden, im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Krems liegen." Dort war am Montagnachmittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Wallfahrten organisiert

Der Deutsche aus dem Raum Mainz soll auch Wallfahrten nach Italien und Bosnien organisiert haben. Ermittlungen dazu sind – zum Teil wegen Verjährung – im Sand verlaufen. Neben schwerem sexuellen Missbrauch wird dem Mann Spendenbetrug, Urkundenfälschung und der Missbrauch kirchlicher Titel und Würden (der Mann soll sich in Polen seine Priesterweihe mit gefälschten Dokumenten erschlichen haben, Anm.) vorgeworfen. Der Schaden soll jenseits von 100.000 Euro liegen. Ein Sachverständigengutachten geht bei dem 53-Jährigen von verminderter Schuldfähigkeit aus. Derzeit prüft das Landgericht Deggendorf, ob es die Anklage zulässt. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Deutschen bis zu 15 Jahre Haft.