Michaela Grandits: Drei Jahrzehnte Blütenzauber in Oberwart
Von Vanessa Halla
Achtung, Spoiler! Diese Reportage ist so schön wie eine Blumenwiese im Mai. Freilich war es das Leben von Michaela Grandits umgekehrt nicht immer – also nur schön. Mit ihrer Arbeit allerdings, da schenkt die Floristin ganz viel Schönes. Denn, lassen Sie uns ehrlich sein: Wer freut sich nicht über Blumen?
„Jener Ehemann, der Blumen für seine Frau entgegengenommen hat, die allerdings vom heimlichen Liebhaber waren – der hat sich nicht gefreut“, kann Michaela Grandits heute über die Zustellung eines Straußes roter Rosen schmunzeln. Dass die Floristin nach über 30 Jahren in ihrem Beruf Tausende Geschichten zu erzählen hat, verwundert nicht. Wie gut, dass Michaela Grandits so schön durch Blumen spricht.
Mit 22 Jahren macht sich Michaela Grandits als Floristin selbstständig
Bunte Vielfalt
Schon beim Betreten ihres Geschäfts „Blumen 4 Jahreszeiten“ riecht man die bunte Vielfalt, bevor man sie überhaupt sieht. Es duftet nach frischen Rosen, Eukalyptus und Sommer. Zwischen bunten Sträußen, Topfpflanzen und saisonalen Dekorationen wird beraten, gelacht und gearbeitet. Mittendrin: Michaela Grandits. Seit 1994 führt sie ihr Blumengeschäft in Oberwart – mit derselben Begeisterung wie am ersten Tag. Dass sie einmal Floristin werden würde, war allerdings nicht geplant.
„Eigentlich wollte ich Friseurin werden“, erzählt die 54-Jährige. Als sie 14 war, wurde zufällig eine Lehrstelle frei. „Dann habe ich gesehen, wie schön dieser Beruf ist.“
Aus der Zufallsentscheidung wurde ihre Passion. Mit 22 Jahren macht sie sich als Floristin selbstständig. „Damals hatte ich keinen Plan. Aber ich war überzeugt, dass es funktioniert.“ Ihre Eltern hätten die Entscheidung deutlich skeptischer gesehen. „Die sind damals im Kreis gelaufen“, erinnert sich Michaela lachend.
Am liebsten Hochzeiten
Anfang der 1990er-Jahre gab es acht Blumengeschäfte in Oberwart. Heute sind nur noch drei übrig. Michaela Grandits setzt von Anfang an auf persönliche Beratung und Ideen, die es damals so noch nicht gab. Als Erste organisierte sie eine kleine Hochzeitsausstellung direkt in ihrem Geschäft. „Das hat mich bekannt gemacht.“ Bis heute gehören Hochzeiten zu ihren liebsten Aufträgen. „Ich gehe nicht auf Urlaub, bevor alle verheiratet sind“, sagt sie schmunzelnd. Überhaupt begleitet sie mit ihren Blumen viele Familien seit Generationen. Geburt, Erstkommunion, Geburtstage, Hochzeiten oder Jubiläen – oft führt der Weg immer wieder zu ihr.
„Der Strauß wächst während der Arbeit“
Wie entsteht eigentlich ein schöner Blumenstrauß? „Darüber denkt man gar nicht nach“, sagt Michaela. „Der Strauß wächst während der Arbeit in der Hand.“ Genau das mache gutes Handwerk aus. Mindestens genauso wichtig ist für sie das Gespräch mit ihren Kunden. „Die persönliche Beratung macht den Unterschied. Meinen Mitarbeiterinnen rate ich, Blumen so zu gestalten, als würden sie sie für jemanden aus der eigenen Familie fertigen. So kommt das dafür nötige Feingefühl in die Arbeit.“
Blumen 4 Jahreszeiten – der Name ist Programm. Gearbeitet wird das ganze Jahr im Rhythmus der Jahreszeiten. Auf den Valentinstag folgen Ostern, Muttertag und Firmungen. Danach beginnt die Hochzeitssaison, ehe Allerheiligen den nächsten Höhepunkt bildet. Langweilig wird es dabei nie. „Man freut sich eigentlich immer schon auf die nächste Saison.“ Mindestens genauso wichtig wie die Kundschaft ist ihr das Team. Sechs Mitarbeiterinnen arbeiten derzeit im Betrieb – fast alle hat sie selbst ausgebildet. „Jede Floristin hat ihre eigene Handschrift.“
Drei Jahrzehnte und viele Geschichten
Dass junge Menschen heute nur noch selten eine Floristik-Lehre beginnen, beschäftigt die Fachfrau. Als Prüferin der Wirtschaftskammer erlebt sie die Entwicklung aus nächster Nähe.
Natürlich erlebt man in über drei Jahrzehnten viele Geschichten. Manche bringen sie heute noch zum Schmunzeln. Die Buffetdekoration aus Wiesenblumen etwa, in der sich unbemerkt Ameisen eingenistet hatten. „Der Küchenchef war außer sich. Damals war das ein Drama. Heute lachen wir darüber.“
Es gibt aber auch Momente, die lange nachwirken. „Blumen für ein Kinderbegräbnis zu gestalten, ist die schwerste Aufgabe in meinem Beruf. Da musst du einfach die Stellung halten“, sagt sie und ihre Augen füllen sich mit Tränen.
Mehr als schöne Sträuße
Für Michaela Grandits bedeutet Floristik deshalb weit mehr als schöne Sträuße. Blumen schaffen Nähe. Sie drücken Freude, Dankbarkeit oder Anteilnahme aus – oft dort, wo Worte fehlen. Welche Blume sie selbst am besten beschreibt? „Eine Blumenwiese!“ Warum? „Weil ständig etwas anderes blüht. Weil ich mit den Jahreszeiten lebe.“
Vielleicht beschreibt genau das auch ihren eigenen Weg. Immer in Bewegung. Offen für Neues. Und trotzdem fest verwurzelt. Schön!
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