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Wiener Paar seit 61 Jahren verheiratet: „Ein Leben zum Verlieben“

Mit 17 Jahren lernten sich Edith und Peter Tiller im Zug kennen – auf dem Weg nach England. Vergangenes Jahr feierten sie Diamantene Hochzeit. Wie das Paar die Jahrzehnte Seite an Seite meisterte.
Ehepaar, Floridsdorf, Porträt, Diamantene Hochzeit

Der Brauch, die Hochzeitskerze nach einem Streit anzuzünden, gilt allgemein als Friedensangebot.  Im Hause Tiller, einem Einfamilienhaus in einer beschaulichen Siedlung in Floridsdorf, brannte die Kerze bis zum 60. Jahrestag erst sehr selten. „Wir sind ja Menschen, die die Kerze nicht anzünden, weil wir nicht streiten“, sagt Edith Tiller. „Sonst müsste die vom 50. Hochzeitstag ja längst weg sein“, lacht die 85-Jährige.

Ehepaar, Floridsdorf, Porträt, Diamantene Hochzeit

Die Tillers entzünden die Hochzeitskerze zum 50. Jahrestag.

Seit 61 Jahren ist die gebürtige Niederösterreicherin mit ihrem Mann Peter verheiratet. Kennengelernt haben sie sich  mit knapp 17 Jahren, im Zug nach England. Edith war auf dem Weg zu einer Bekannten, mit der sie eine Brieffreundschaft pflegte. Peter wiederum wollte gemeinsam mit einem Freund auf einer Farm arbeiten. „Ich weiß noch genau, was sie damals getragen hat. Ein gepunktetes Kleid mit einem Hütchen“, erzählt Peter. Seine  Chance sah er dann in Form eines Eisverkäufers gekommen, der am Bahnsteig in Lüttich Eis für 50 Pfennig anbot.

Das Eis wurde gekauft, die beiden kamen ins Gespräch. In England angekommen, trennten sich ihre Wege wieder. Peter hatte sich jedoch die Adresse seiner Zukünftigen aufgeschrieben. „Er hat mir Briefe geschrieben. So sind wir in Kontakt geblieben“, erzählt die 85-Jährige. Gemeinsam fuhren die beiden dann auch wieder zurück nach Österreich. 

Ehepaar

Am Bahnhof in Wien angekommen, wartete eine Überraschung auf die Reisenden: Peters Eltern standen am Bahnsteig. „Und die Eltern hatten ein Mädchen mit,  die Tochter einer bekannten Familie  und wollten mich mit ihr verkuppeln“, sagt Peter.  Die Strategie der Eltern ging nicht auf, der damals 17-Jährige setzte sich am Folgetag auf sein Fahrrad und fuhr 25 Kilometer, von seinem Zuhause in Inzersdorf bis nach Klosterneuburg, zu Edith. 

Ihre Geschichte begann, ein Paar war man zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht. Edith wuchs ohne Geschwister auf, auch ihren Vater kannte sie nicht. „Meine Mutter hatte nie Zeit, sie war eine Trümmerfrau. Und das Schöne war für mich, dass ich durch den Peter eine Schwester,  einen Vater,  eine zweite Mutter,  eine Großmutter und einen Großvater gehabt habe“, schildert die 85-Jährige.  

Ehepaar, Floridsdorf, Porträt, Diamantene Hochzeit

Tanzen war die große gemeinsame Leidenschaft des Paares. 

Die Freundschaft blieb weiter bestehen, bis Edith sich nach der Matura entschied, zum Französisch lernen ins Ausland zu gehen. Dort lernte sie einen Mann kennen, der ihr dabei half. „Ich wollte danach eine Brieffreundschaft mit ihm anfangen, aber konnte seine Schrift nicht lesen. Danach hat er mir nie wieder geantwortet“, sagt Edith. Jahre später kam sie mit Peter am gleichen Ort wieder vorbei. „Dort hab’ ich den Mann wieder getroffen und auf einmal wollte er mich heiraten. Die Seele des Mannes ist für mich undurchschaubar.“ Sie habe Peter als Ausrede als ihren Verlobten bezeichnet – was zu jener Zeit aber noch nicht stimmte.

Alle Jahre wieder

Erst am 10. Juli 1965 heirateten die beiden – nachdem Peter Edith schon zahlreiche Liebesbriefe geschrieben hatte. Mit den Jahren kamen die ersten Meilensteine – finanzielle Herausforderungen durch den Ausbau des Altersheims von Ediths Mutter, ein Umzug nach München und zwei Söhne.

Ehepaar, Floridsdorf, Porträt, Diamantene Hochzeit

Am 10. Juli feiert das Paar seinen Hochzeitstag – immer farblich abgestimmt, wie hier beim 60. Jubiläum im Vorjahr. 

Geschafft habe man das, indem man vieles gemeinsam, vieles aber auch getrennt erlebt habe. „Wir haben zusammen immer viel getanzt. Meine Frau singt dafür allein in zwei Chören, ich bin bei Schlaraffia, einem Männerbund“, sagt Peter.
„Und jedes Jahr feiern wir den 10. Juli. Aus einem Gefühl der Dankbarkeit heraus für unser erfülltes Leben“, sagt Edith. Ein Leben zum Verlieben, so ihr Mann. Und wann wird das nächste Mal gefeiert? „Wenn wir’s vier Jahr' noch erleben, gehen wir mit dem Pfarrer nach Hirschstetten und lassen uns dort im Hochzeitsgarten segnen. Dann gehen wir essen und das war’s dann aber“, lacht Edith.

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