© Michael Pekovics

Chronik Burgenland
02/03/2021

Mega-Projekt am Neusiedler See: Österreicher müssen Häuser räumen

Bauarbeiten für Tourismusprojekt haben begonnen, die Pächter der Pfahlbauten im Wasser haben Abrissbescheide erhalten. Umweltschützer bangen um Welterbe und sehen Unesco gefordert.

von Michael Pekovics

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Am ungarischen Ufer des Neusiedler Sees bei Fertörákos wurde sie unlängst von den Pächtern der Häuser im See zu Grabe getragen.

Denn als Anfang des Jahres die Abrissbescheide der ungarischen Behörden eintrafen, war klar: Das Ende der einzigartigen Pfahlbauten ist besiegelt.

Weichen müssen sie einem rund 80 Millionen Euro teuren Tourismusprojekt, mit dem Ungarn der österreichischen Seite Konkurrenz machen will.

Die Bauarbeiten für Kanal- und Wasserversorgung haben bereits begonnen, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. Naturschützer befürchten deshalb, dass der Welterbe-Status der Region Neusiedler See gefährdet ist. Doch Ungarn argumentiert unter anderem damit, dass auch auf österreichischer Seite bereits einige größere Tourismusprojekte umgesetzt wurden (der KURIER berichtete).

Hotel, Jachthafen, Strandpromenade, Sportanlagen und großflächige Parkplätze sind ebenso geplant wie rund 40 kleine Reihenhäuser direkt am Ufer. „Da verstellen unsere Häuser im See natürlich die Sicht“, sagt Franz Meisel, einer der Pächter.

Ihm selbst macht der Abriss keine großen Probleme: Sein Haus fiel so wie einige andere dem Großbrand im Jahr 2017 zum Opfer. Meisel vermutet sogar einen Zusammenhang mit dem Projekt; Belege dafür gibt es freilich nicht.

Insgesamt gibt es 21 Häuser, acht davon befinden sich in der Hand von sechs Österreichern.

In ungarischen Medien argumentiert der Projektverantwortliche Béla Kárpáti, Generaldirektor der Sopron-Neusiedler Tourismusentwicklung Nonprofit AG, damit, dass es keine unbefristeten Mietverträge (über die Wasserfläche, Anm.) gebe und der ursprüngliche Zustand wiederherzustellen sei. Außerdem verweist er in einem Interview darauf, dass die Gebäude ebenso wenig dem Schutz des UNESCO-Welterbes unterliegen wie das Entwicklungsgebiet an sich.

Angesichts der Bestimmtheit, mit der Ungarn das Projekt durchziehen will, sehen die sechs österreichischen Pächter kaum Chancen, den Abriss ihrer Häuser zu verhindern. Ein Anwalt wurde dennoch eingeschaltet. „Um zumindest nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben“, sagt Meisel, der sich keine großen Hoffnungen macht und bereits auf der Suche nach einem Abrissunternehmen ist. „Aus hohen ungarischen Kreisen wurde mir bereits gesagt, dass da nichts mehr zu machen sein wird.“

Das befürchten mittlerweile auch Naturschützer auf beiden Seiten. „Ungarn schert sich um nichts“, sagt Christian Schuhböck von der Organisation Alliance for Nature. Er fordert einmal mehr, dass der Neusiedler See auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten gesetzt werden soll. „Da wird schon in der Kernzone gearbeitet. Die UNESCO muss endlich aktiv werden.“ Doch dort werden weiter Unterlagen der verschiedenen Organisationen geprüft. Für Generaldirektor Kárpáti gibt es so oder so keinen Grund für Änderungen: „Das Projekt entspricht in jeglicher Hinsicht allen Vorschriften und ist gültig genehmigt.“

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