Matura, 100 Bewerbungen, kein Job: Warum die Jugend kämpft
Zusammenfassung
- Larissa Kerschitz sucht seit ihrem Matura-Abschluss vergeblich einen Job und ist weiterhin finanziell von ihren Eltern abhängig.
- Die Arbeitslosigkeit im Burgenland, besonders bei jungen Menschen und Frauen, ist deutlich gestiegen, während offene Stellen und Lehrstellen zurückgehen.
- Viele Unternehmen fordern Berufserfahrung, wodurch Berufseinsteiger wie Larissa in einen Teufelskreis geraten und psychisch unter Druck stehen.
„Vielen Dank für Ihre Bewerbung. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Sie im weiteren Bewerbungsprozess leider nicht berücksichtigen können.“ Solche eMails hat Larissa Kerschitz in den vergangenen elf Monaten oft bekommen. Häufig kam nicht einmal das. Bei über 100 Stellen hat sich die 20-Jährige beworben. „Von den meisten habe ich gar nichts mehr gehört“, erzählt sie.
Hauptsache Berufseinstieg
Im Juni 2025 hat Kerschitz die Modeschule Oberwart mit der Matura abgeschlossen. Seitdem ist sie auf Jobsuche. „Am Anfang war ich sehr wählerisch. Ich habe mich nur bei Schneidereien, Werbeagenturen oder Grafikbüros beworben. Jetzt habe ich sogar eine Bewerbung für Hofer verschickt“, erzählt Kerschitz. Mittlerweile gehe es weniger darum, den perfekten Berufseinstieg zu finden – sondern überhaupt einen Einstieg.
Finanziell abhängig
Noch lebt sie bei ihren Eltern. Nicht unbedingt, weil sie das möchte – sondern weil ihr kaum etwas anderes übrig bleibt. Arbeitslosengeld bekommt sie keines. Dafür hätte sie zuvor mindestens sechs Monate durchgehend arbeiten müssen. „Ich würde gerne selbstständiger sein, aber im Moment geht das einfach nicht“, sagt sie.
Ende April waren im Burgenland insgesamt 10.055 Personen arbeitslos gemeldet.
Die Geschichte der jungen Burgenländerin wirkt drastisch – ein Einzelfall ist sie aber nicht. Die aktuellen Zahlen des AMS Burgenland zeigen, dass sich der Einstieg in den Arbeitsmarkt für viele junge Menschen derzeit schwierig gestaltet. Ende April waren im Burgenland insgesamt 10.055 Personen arbeitslos gemeldet oder in Schulungen – ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent.
Der Teufelskreis
Besonders angespannt ist die Lage in Teilen des Südburgenlands. Im Bereich Stegersbach/Jennersdorf – auch Larissa wohnt in dieser Region – stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 13,5 Prozent an. Auch Oberpullendorf und Oberwart verzeichneten deutliche Anstiege von jeweils neun Prozent.
Viele Unternehmen suchen zwar Mitarbeiter, oft aber keine klassischen Berufseinsteiger. Der Satz: „Mindestens zwei Jahre Berufserfahrung gewünscht“, findet sich in zahlreichen Stellenanzeigen. Für junge Menschen direkt nach der Schule entsteht dadurch eine Art Teufelskreis: Sie gelten als zu wenig erfahren, gleichzeitig fehlt ihnen die Möglichkeit, überhaupt erste Erfahrung zu sammeln.
Psychischer Druck
Dazu kommt ein psychischer Druck, über den selten gesprochen wird. Während ehemalige Schulkollegen studieren, erste Jobs haben oder ins Ausland gehen, verbringt Larissa Kerschitz ihre Tage oft mit Bewerbungen schreiben, Warten und Absagen. „Am Anfang denkt man sich noch: Das wird schon. Aber irgendwann fängt man an, an sich selbst zu zweifeln“, sagt sie.
Lichtblick?
Nach Monaten mit Absagen gibt es nun aber einen kleinen Hoffnungsschimmer. Vor wenigen Tagen wurde ihr bei einem Unternehmen ein Probemonat angeboten. Diesen will sie annehmen – in der Hoffnung, danach übernommen zu werden. „Ich will arbeiten, ich bin motiviert, etwas zu machen. Immerhin sind wir die Zukunft“, so ihr Appell an die Unternehmen.
Ende April waren laut AMS Burgenland 10.055 Personen arbeitslos gemeldet – das sind um 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich stieg die Arbeitslosigkeit bei Frauen an: Während die Zahl der arbeitslosen Männer im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zunahm, lag der Anstieg bei Frauen bei 8,9 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Zahl offener Stellen rückläufig. Ende April waren beim AMS Burgenland 1.444 offene Stellen gemeldet – ein Minus von 7,1 Prozent im Vergleich zu 2025.
Vor allem der Lehrstellenmarkt ist betroffen. Die Zahl der Lehrstellensuchenden stieg um 10,6 Prozent, während die offenen Lehrstellen um 20,8 Prozent zurückgingen. AMS-Landesgeschäftsführerin Helene Sengstbratl verweist auf die angespannte internationale Wirtschaftslage. Der Iran-Krieg sowie angekündigte US-Zollerhöhungen würden die wirtschaftliche Entwicklung bremsen und den Arbeitsmarkt zusätzlich unter Druck setzen.
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