Prost: Wie in Kukmirn 120.000 Liter "Schnaps" gebrannt werden

In Kukmirn produziert Marcel Puchas mehr als 60 Spirituosen und setzt auf Vielfalt und Qualität.
Ein Mann steht neben einer kupfernen Destille und hält den Griff einer runden Tür mit der Aufschrift „CARL“.

Von Gernot Heigl

Es geht längst nicht mehr nur um das klassische Stamperl nach dem Essen, wenn Brennmeister Marcel Puchas aus Kukmirn seine Kessel befüllt. Neben traditionellen Obstbränden werden auch Gin, Wermut, Liköre, Whiskey, Wodka und Rum produziert. Mehr als 60 verschiedene „Tröpferl“ stellt der 30-Jährige inzwischen her. Mit großem Erfolg, wie mehr als 250 nationale und internationale Prämierungen belegen.

Sein Handwerk gelernt hat der Gastronomiefachmann und Sohn von Hotelier Josef Puchas in vier Jahren „harter Schulung durch einen alten Brennmeister“. Dabei habe sich aus dem Wissen über die traditionelle Herstellung hochprozentiger Spezialitäten pure Leidenschaft entwickelt, resümiert Marcel Puchas seine Ausbildung.

Übernahme nach Unfall

Ins Geschäft eingestiegen ist der Südburgenländer im Jahr 2020. Damals wurde die Brennerei Lagler – nach dem tödlichen Arbeitsunfall des früheren Inhabers – übernommen und zur „Kukmirn Destillerie Puchas“ umgewandelt.

Bei den Edelbränden mit 40 Prozent Alkohol orientiert sich Marcel Puchas an klassischen Sorten wie Apfel, Birne, Zwetschke und Marille. Bei den Kunden gefragt sind aber auch Holunder und Uhudler. Als besondere Spezialität gilt Marille-Paprika. „Unsere Rohware kommt aus unseren eigenen 15 Hektar großen Obstplantagen und großteils von regionalen Produzenten.“

Mehrere Medaillen, Auszeichnungen und Flaschen stehen auf einem Holzregal, darunter eine Trophäe und ein Destillata-Preis.

Puchas’ Arbeit wurde national und international prämiert.

Besonders kreativ zeigt sich der 30-Jährige bei der Herstellung von Gin, den es unter anderem in den Varianten Kaffee, Gurke, Pfefferminz-Orange, Ingwer-Zitrone, Holunder und Wacholder gibt. „Bei Frauen besonders beliebt ist Himbeer-Zitrone, ebenso unser Wermut-Rose, beide sind nämlich leicht süßlich.“ Eher als Getränk für Männer gilt die Mischung „Uhudler-Wodka“.

Die Brennerei verlassen aber auch Edelvarianten von Whiskey mit einem Alkoholgehalt von 50 Prozent sowie Liköre mit 15 Prozent. Neben diesen Produkten, die unter anderem im eigenen Shop in Kukmirn verkauft werden, werden in den beiden Kesseln mit je 400 Litern Fassungsvermögen auch sogenannte Lohnbrände für den Handel sowie für Hotels und Thermen hergestellt.

Ein Mann steht vor einer großen Destillationsanlage aus Kupfer und Edelstahl in einer Brennerei.

Marcel Puchas setzt auf klassische Edelbrände und kreative Varianten.

„Verarbeiten können wir 200 bis 300 Tonnen Früchte im Jahr. Nach Pürieren und natürliche Vergärung der Maische, bei der sich Zucker in Alkohol umwandelt, durchlaufen unsere Produkte den Brennvorgang zweimal“, schildert Marcel Puchas. „Das Doppelbrennen dauert etwa sechs Stunden und ist ein Qualitätskriterium, das das Aroma verfeinert.“

Vorfreude auf Rum

Im hochprozentigen Segment ergibt das pro Jahr rund 120.000 Liter verkaufsfertige Ware, die großteils mehr als zwölf Monate in speziellen Tanks oder in Eichenfässern reift. Besonders stolz ist der 30-Jährige auf seinen 2020 hergestellten Rum. „Davon haben wir rund 1.500 Liter. Der reift in Fässern aus Jamaika, Martinique und Trinidad, die wir uns schicken haben lassen.“ Aktuell weist der Rum zirka 65 Prozent vol. auf.

Ein Mann hockt neben einem Holzfass mit der Aufschrift „Rum Jamaica 2020“ in einem Raum mit Holzverkleidung.

Erste Verkostung des eigenen Rums erst im Jahr 2030.

„Wir wollen ihn insgesamt zehn Jahre lagern, dann wird er etwa bei 44 Prozent liegen“, freut sich Marcel Puchas auf das künftige Tröpferl und zieht gleichzeitig einen Stoppel vom Fass. Nach einer Schnupperprobe schwärmt der Südburgenländer: „Wow. Was für ein Geruch. Auf diese Verkostung freue ich mich schon jetzt.“

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