Landwirtschaft trotzt dem Gegenwind: "Tuits wos"!

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Bauernvertreter fürchten um Kürzung des EU-Agrarbudgets. Auch das Land verlangt von der Kammer Einsparungen bis 2028. Verhältnis zu Rot-Grün sei "korrekt".

Dass Niki Berlakovich einmal ÖVP-Minister für Landwirtschaft und Umwelt war und aus dieser Zeit auch das Brüsseler Parkett kennt, ist in diesen Tagen kein Nachteil. 

Denn, so der 64-jährige Landwirtschaftskammerpräsident am Dienstag in seinem Ausblick auf 2026, auf Ebene der Europäischen Union stehen "große Entscheidungen" an, die auch über das Wohl und Wehe von Burgenlands Bauernschaft mitentscheiden.

Für die nächste EU-Finanzperiode von 2028 bis 2034 lägen "ernüchternde" Vorschläge der Kommission auf dem Tisch, so Berlakovich. Während das EU-Budget insgesamt stark steige, werde der Agrartopf um 20 Prozent gekürzt und soll mit anderen Themen wie Sicherheitspolitik und Migration verschmolzen werden. Das sei gerade angesichts der Bemühungen, Europas Unabhängigkeit auf allen Ebenen zu stärken, "inakzeptabel". Das  Agrarbudget müsse eigenständig bestehen bleiben. 

Was das - noch nicht in Kraft getretene - Freihandelsabkommen Mercosur betrifft, bleiben die Bauernvertreter bei ihrem Standpunkt: "Ja zum Freihandel, aber unter fairen Rahmenbedingungen", sagte LWK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner. Außerhalb Europas seien bei Pflanzenbau und Tierhaltung Mittel erlaubt, "die bei uns - zu Recht - verboten sind", so Falb-Meixner, der im Seewinkel einen Biobetrieb führt. 

Milder wurde das Klima unterdessen zwischen Land Burgenland und Landwirtschaftskammer. Kaum aus der Bundesregierung ins Burgenland gekommen, stellte der damalige Finanzlandesrat Hans Peter Doskozil (SPÖ) 2018 eine Kürzung der jährlichen Landesförderung  (damals zwei Millionen) in Aussicht, weil sich die Kammer zu wenig um Biolandwirtschaft kümmere. 

Ende 2023 dann die überraschende Wende: Auf Grundlage eines bis 2028 laufenden Vertrages kann die Kammer jährlich mit drei Millionen Euro rechnen, die auch valorisiert werden. Im Gegenzug muss die Kammer Einsparungs- und Konsolidierungsmaßnahmen setzen. 

"Wir bürsten unsere Organisation gegen den Strich", kommentierte Kammerdirektor Martin Burjan, wie man effizienter werden will. So wurden schon zwei Abteilungen zusammengelegt und nach Pensionierungen nicht nachbesetzt.

Also ist man mit der nunmehr rot-grünen Landesregierung rundum zufrieden, fragte der KURIER? Es gebe ein "korrektes Verhältnis" zum Land, meinte Berlakovich. "Absolut pragmatisch", ergänzte Falb-Meixner. 

Landwirtschaftskammer, Ausblick 2026 u.a. mit Präsident Berlakovich, Vize Falb-Meixner (Mitte)

Landwirtschaftskammer, Ausblick 2026 u.a. mit Präsident Berlakovich, Vize Falb-Meixner (Mitte)

Auch wenn die Zahl der Vollerwerbsbetriebe in den vergangenen zehn Jahren von rund 2.000 auf 1.800 gesunken ist, hat die Landwirtschaft im Burgenland Zukunft. Zumindest glaubt das der Seewinkler Maximilian Weiss, Landesleiter der Landjugend Burgenland.

„Wir wollen zeigen, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen und aktiv an der Weiterentwicklung des ländlichen Raums mitarbeiten", so der Apetloner. Oder, kurz und bündig: "Tuits wos"!

Für Nicht-Burgenländer: Tut was!

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