Joachim Kitzwögerer achtet bei seinen Eiszutaten auf Regionalität.

© Heiling Eis

Chronik Burgenland
06/09/2019

Landleben: Vom Steinmetz zum Eismacher

Joachim Kitzwögerer kaufte ein Kaffeehaus und wurde zum Eis-Magnaten mit großen Zielen.

von Roland Pittner

Joachim Kitzwögerer gründete mit 19 seine Steinmetzfirma und ist mittlerweile eine fixe Größe im Eisgeschäft. „Eigentlich bin ich zum Eis, wie die Jungfrau zum Kind gekommen“, sagt Kitzwögerer in seinem Heiling-Eissalon in Lockenhaus. Dieses Haus im Zentrum der Gemeinde hat er 2013 gekauft. Er wollte Wohnungen bauen und das Café vermieten. Doch aus der Vermietung wurde nichts, er kümmerte sich selbst um den Betrieb. „Die Besucher kamen wegen dem Heiling-Eis von weit her. Da habe ich mir gedacht, wir expandieren“, erklärt Kitzwögerer. Das Kaffeehaus wurde renoviert und die nächsten Standorte in Wien gesucht.

Eis-Quereinsteiger

Als Eis-Quereinsteiger begann er mit den alten Rezepten der Familie Heiling zu experimentieren. „Es war nicht immer leicht. Am Anfang wurde ich sogar von den Eismaschinenherstellern nicht ernst genommen“, erzählt Kitzwögerer. Mittlerweile hat er sich in Ostösterreich einen Namen gemacht.

Gemeinsam mit Experten hat er die Rezepte von 1927 verfeinert. Derzeit gibt es 96 Sorten von „Omas Apfelkuchen“ über Pistazie bis hin zu „Marille aus Rechnitz“. Letztere Sorte hat Heiling Eis sogar den Einzug zum Halbfinale des Gelato Festival World Masters 2021 in Bologna gebracht.

Neben dem Eis hat der Betrieb auch 15 verschiedene Eisknödel und Törtchen im Sortiment, die sich schon in vielen Restaurants auf der Speisekarte finden. „Ich hatte die Mitarbeiter und wollte sie nicht über den Winter kündigen, mit den Eisknödeln kann die Produktion ganzjährig laufen“, sagt Kitzwögerer. Heute arbeiten rund 40 Mitarbeiter, mit den Franchisepartnern 115 Angestellte in seiner Eis-Kette.

Mittlerweile hat Heiling Eis in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland Filialen. Der 16. Eissalon wird demnächst in Gols eröffnet und es gebe laufend Anfragen für neue Standorte. Expansion ist weiterhin sein Ziel. „Wenn wir 100 Stufen erreichen wollen, haben wir die Erste betreten“, sagt Kitzwögerer. Denn Europa sei ihm als Markt für seine Eisspezialitäten zu klein. „Ich mache meine Ziele immer relativ groß, damit die kleinen Probleme, das große Ziel nicht verdecken“, sagt Kitzwögerer: „Wir sind erst ganz am Anfang, da bin ich Realist.“

Manufaktur

Das Eis wird in Lockenhaus hergestellt. „Wir machen alles selbst, die Zutaten kommen nach Möglichkeit aus der Region“, sagt der Unternehmer. Die Milch wird etwa ab Hof gekauft, „da schauen wir uns immer an, ob es den Tieren gut geht“, meint Kitzwögerer. Plastik wurde, so weit es geht, aus dem Betrieb verbannt. Gegen Anmeldung können Interessierte bei der Eisproduktion dabei sein und ihre ganz eigenen Kreationen verkosten und natürlich mit nach Hause nehmen.

Um der Nachfrage gerecht zu werden, plant er bereits eine neue Produktionsstätte. „Dafür haben wir noch nicht den richtigen Standort gefunden“, sagt der Firmenchef. Das Eis-Erlebnis solle im Mittelpunkt stehen. Nächstes Jahr seien die Pläne dann spruchreif.