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Chronik Burgenland
05/16/2020

Landesrat Illedits: "24-Stunden-Pflege in Landeshand"

Landesrat Christian Illedits will mobile Betreuung und Pflege auf neue Beine stellen

von Thomas Orovits

Pflege, Arbeitsmarkt und Wirtschaft: Christian Illedits ist in der Corona-Krise an mehreren Fronten gefordert. Der 61-jährige Landesrat verantwortet in der roten Alleinregierung jene Bereiche, in denen die Pandemie auch mittelfristig für die größten Verwerfungen sorgen wird.

Im KURIER-Gespräch nimmt Illedits zum Pflegethema Stellung. Tenor: Das Burgenland will vom Ausland und auch vom Bund unabhängiger werden.

Anlass sind Erfahrungen der letzten Wochen mit der in Bundeskompetenz fallenden 24-Stunden-Betreuung – rund 2.700 Burgenländer werden dadurch versorgt. Die Reisebeschränkungen hatten befürchten lassen, dass ungarische Betreuerinnen ausfallen; wenig später wurden rund 100 kroatische 24-Stunden-Kräfte eingeflogen und zuletzt schien das Warten auf einen Sonderzug aus Rumänien endlos. Statt 350 waren dann nur 80 Betreuerinnen an Bord – ganze vier fürs Burgenland.

„Können das besser“

Auch wenn laut Illedits trotzdem „derzeit alle Stellen besetzt“ sind (weil viele Betreuerinnen einen 500-Euro-Bonus erhalten und länger als einen Monat am Stück bleiben), will er mobile Betreuung und Pflege mittelfristig reformieren.

Die Grundlagen dafür erwartet sich der Ressortchef von einer auch mit externen Experten beschickten Arbeitsgruppe, die bis Herbst Ergebnisse samt Finanzierungsmodellen liefern soll. Damit will das Land in die Verhandlungen mit dem Bund gehen. 2021 läuft der Pflegefonds aus, der zum Teil auch Pflegeausgaben der Länder speist.

Illedits will „den Beratungen der Arbeitsgruppe nicht vorgreifen“, kann sich aber grundsätzlich vorstellen, dass mit der 24-Stunden-Betreuung auch der personalintensivste Teil der Pflege vom Bund in die Kompetenz der Länder wandert.

„In den letzten Wochen haben wir uns mit diesem Thema am meisten befasst, obwohl es Bundessache ist“, sagt Illedits. „Vielleicht könnten wir selbst das gleich besser organisieren, weil wir näher bei den Menschen sind“.

Mindestlohn als Anreiz

Organisieren heiße aber nicht noch mehr finanzieren: Denn schon jetzt steuere das Land nicht nur 40 Prozent zur Gesamtförderung der Rund-um-die-Uhr-Betreuung bei, sondern darüber hinaus auch 3,6 Millionen Euro Landesförderung. Illedits: „Sonst könnten sich viele Burgenländer die 24-Stunden-Betreuung nicht leisten“.

Im Burgenland sind von den rund 6.700 im Pflegebereich Beschäftigten mehr als die Hälfte 24-Stunden-Betreuer, die fast ausschließlich aus Osteuropa kommen.

Zum Vergleich: In den mehr als 40 Pflegeheimen kommen nur 200 oder rund 15 Prozent der Beschäftigten aus dem EU-Ausland. Man werde das System nicht von heute auf morgen umstellen, so der Landesrat, deshalb würden die rund 40 privaten Vermittlungsagenturen weiter „einen Platz haben“.

Wo aber sollen mehr inländische Betreuungs- und Pflegekräfte herkommen? Die vom Land gepushte Anstellung pflegender Angehöriger zum Mindestlohn von 1.700 Euro netto für 40 Stunden haben bisher nur 114 Personen in Anspruch genommen. Illedits ist nicht nur überzeugt, dass das Modell wachsen wird – bis Ende des Jahres erwartet er 200 bis 300 Anstellungen. Sondern auch, dass der Mindestlohn in Kombination mit besseren Arbeitsbedingungen den Pflege- und Betreuungsberuf attraktiver macht. So werde der Personalschlüssel in Pflegeheimen 2021 um 20 Prozent erhöht. Der Pflege- als Arbeitsmarktlandesrat: „Die Leute brauchen Arbeit“.

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