Chronik | Burgenland
11.02.2018

Ländlicher Raum ist noch auf digitaler Kriechspur

Claudia Radits kämpft mit schwachem Internet © Bild: Roland Pittner

Noch immer gibt es bei der Versorgung weiße Flecken in Österreich.

Im Friseursalon von Claudia Radits im südburgenländischen Punitz läutet kaum ein Handy. Weniger, weil man sich nichts zu sagen hätte, die Gründe liegen woanders. "Wir haben hier fast keinen Empfang, bei fünf Versuchen kann ich einmal raustelefonieren", sagt die Friseurin. Ebenfalls problematisch ist für die Unternehmerin ihre Internetverbindung. "Wir haben Glück und noch eine Leitung von der Nachbarortschaft", sagt Radits. Doch die Bandbreite ist oft gering. Wenn Updates für die Registrierkasse zu machen sind, darf sonst niemand den Anschluss benutzen. "Sonst bekomme ich nur Fehlermeldungen", sagt Radits.

Fehlendes Breitbandinternet oder schlechter Handyempfang sind im Südburgenland nicht selten. In Eltendorf im Bezirk Jennersdorf etwa gibt es zwar seit einiger Zeit ein Glasfasernetz, im Ortsteil Zahling aber nicht. "Mobil sieht es nicht besonders gut aus, da haben wir große Probleme mit dem Internet", sagt Bürgermeister Josef Pfeiffer, ÖVP. Für die Gemeinde würde es 60.000 Euro kosten, um das Internet in den Ortsteil zu bringen. "Die Förderung ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es müsste einen Gewaltakt geben, wie damals bei der Post und den Telefonleitungen", meint Pfeiffer.

Landesweit und im Vergleich gesehen ist die Situation jedoch nicht so schlecht. "Das Burgenland ist nach Salzburg und Wien das drittbest versorgte Bundesland", erklärt Infrastrukturminister Norbert Hofer, FPÖ. Mit der Breitbandinitiative 2020 seien bereits Förderungen in der Höhe von rund 7,2 Millionen Euro gewährt worden, was einem Investitionsvolumen von mindestens 14,2 Millionen Euro entspricht. In naher Zukunft sollen mit diesen Investitionen knapp 28 Prozent der bisher unterversorgten Wohnsitze im Burgenland mit einem schnellen und zukunftssicheren Internetzugang versorgt werden.

Nationale Strategie

Derzeit arbeite man im Ministerium an einer nationalen 5G-Strategie zur Erleichterung des Ausbaus für mobile Netze. "Unser Ziel sind flächendeckende konvergente feste und mobile Netze", erklärt Hofer. Künftige Erlöse aus den Frequenzversteigerungen sollen für den Breitbandausbau zweckgewidmet werden. Hofer: "Diese Mittel werden neben den bereits bestehenden Mitteln aus der Breitbandmilliarde für einen Ausbauschub sorgen."

Der burgenländische Landtagspräsident Christian Illedits, SPÖ, ist als einziger Österreicher Mitglied bei der Europäischen Breitbandplattform. "Bis 2025 soll Breitbandzugang in Europa als Universaldienst angesehen werden," berichtet Illedits vom ersten Meeting mit Digitalkommissarin Mariya Gabriel. Das Tempo beim Ausbau müsse erhöht werden: "Denn die Entwicklung der Technologie geht schneller als der Ausbau der Infrastruktur", sagt Illedits.

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