Chronik | Burgenland
19.01.2018

"Kristalle des Teufels" im Grenzraum

Ermittler sehen das Burgenland als Durchzugsgebiet Nummer eins für Crystal Meth.

Drei Tage durchmachen, ohne Schlaf oder Hunger, dazu das Gefühl der Unbesiegbarkeit. 27 Jahre alt ist der durchschnittliche österreichische Konsument von Crystal Meth laut Drug World Report der UNO. Die kleinen weißen Kristalle werden geschnupft, geraucht oder gespritzt. Der Konsument will meist entweder beruflich leistungsfähiger, oder in der Freizeit gut drauf sein. Doch die Ernüchterung kommt bald: Neben möglichen Herz- und Hirnschäden, kann die auch "Kristalle des Teufels" genannte Droge zu Gedächtnisverlust, Depression und Aggressivität führen. Es sind vor allem die psychischen Auswirkungen, die den Medizinern immer mehr Kopfzerbrechen bereiten.

Auch im Burgenland wird die illegale Droge immer mehr zum Problem. Kaum ein Tag vergeht derzeit, an dem am Landesgericht Eisenstadt nicht ein Prozess wegen Einfuhr von Metamphetamin stattfindet. "Vor 15 Jahren hat es vor allem Verhandlungen rund um Cannabis gegeben. In den vergangenen Jahren hatten wir vermehrt Prozesse wegen Pico (auch Crystal Meth, Anm.)", sagt die Sprecherin des Landesgerichtes Eisenstadt, Birgit Falb.

Im Landeskriminalamt sind die Ermittler den Schmugglern von Crystal Meth quasi rund um die Uhr auf den Fersen. 440 Gramm Metamphetamin wurden 2016 im Burgenland beschlagnahmt. Das war österreichweit gesehen – nach Wien – der zweithöchste Wert. "Im Vorjahr war die sichergestellte Menge an Metamphetamin im Burgenland mit 1,8 Kilogramm etwa vier Mal so hoch", schildert Ermittler Robert Terpotitz vom LKA im KURIER-Gespräch.

Miteingerechnet sind da aber noch gar nicht jene 30 bis 40 Kilogramm von Crystal Meth, die die burgenländischen Beamten den Drogendealern im Vorjahr nachweisen konnten. Das Suchtgift hatte einen Verkaufswert zwischen drei und vier Millionen Euro. 55 (mutmaßliche) Pico-Dealer haben die LKA-Ermittler im Vorjahr in die Justizanstalt eingeliefert.

Das Pico oder auch Crystal Meth genannte Suchtgift stammt meist aus der Slowakei. Im Burgenland wird es über Kittsee (Bezirk Neusiedl am See) eingeführt und nach Wien transportiert.

Abnehmer

In der Slowakei werde das Suchtgift um 25 bis 35 Euro das Gramm eingekauft und im rund eine Autostunde entfernten Wien um 80 bis 100 Euro pro Gramm weiterverkauft. "Das Burgenland ist mittlerweile – was die Einfuhr von Metamphetaminen betrifft – das Durchzugsland Nummer eins in Österreich", sagt Terpotitz. Aber auch im Burgenland gibt es Abnehmer.

"Crystal Meth ist meiner Meinung nach die schlimmste Droge, die bei uns derzeit am Markt ist", sagt Terpotitz. Zahlen belegen diese Einschätzung: Laut einer Studie müssen sich von 1000 Personen, die Drogen konsumieren, durchschnittlich 29 in Behandlung begeben, sagt Thomas Pietschmann von der UNO-Drogenkontrollbehörde. Beim Metamphetaminen sind es 104 Personen. Noch spiele Europa im Vergleich zu Amerika oder Asien im Bezug auf den Handel von Metamphetamin eine kleinere Rolle. "Das wird sich aber vermutlich in den kommenden Jahren ändern, wenn nichts unternommen wird."