Chronik | Burgenland
09.11.2018

Krisenintervention: Ersthelfer für die Seele

Rotes Kreuz und SOS Kinderdorf bieten Hilfe in emotionalen Ausnahmesituationen an.

Wenn die Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams an die Tür klopfen, haben sie meist schlechte Nachrichten. „Oft überbringen wir gemeinsam mit der Polizei Nachrichten vom Unfalltod eines Angehörigen“, sagt Michaela Schmölzer-Pfingstl vom Roten Kreuz. Seit 2009 ist sie im Kriseninterventionsteam und koordiniert die Einsätze im Bezirk Oberwart. „Im Einsatz versuchen wir prinzipiell die eigenen Gefühle hintanzustellen, wobei wir alle keine Maschinen sind“, sagt Schmölzer-Pfingstl. Denn die Schicksalsschläge würden oft auch den Helfern nahe gehen. „Überhaupt wenn es um Kinder geht, oder gleich mehrere Schicksalsschläge passiert sind“, sagt Schmölzer-Pfingstl.

123 Ehrenamtliche

Im Burgenland gibt es im Moment 123 Mitarbeiter im Kriseninterventionsteam. Derzeit läuft ein Kurs, 21 Teilnehmer werden kommende Woche ihre Ausbildung abschließen und zum Kriseninterventionsteam dazu kommen. „Wir arbeiten hier nur mit ehrenamtlichen Mitarbeitern“, sagt Tanja König, Geschäftsführerin des Roten Kreuz Burgenland. Heuer waren es bis 1. November genau 100 Einsätze im Burgenland, dabei wurden 360 Personen betreut. „Wir leisten Erste Hilfe für die Seele der Angehörigen“, sagt König. Die Einsätze würden meist zwischen zwei und sechs Stunden dauern. „Wir bieten auch eine Begräbnisbegleitung an, wenn es erwünscht ist“, sagt Schmölzer-Pfingstl.

Wird weitere Betreuung benötigt, gibt es seit Jahresbeginn die Möglichkeit, ein SOS Kinderdorf-Krisenteam anzufordern. In dem Pilotprojekt springen Mitarbeiter von SOS Kinderdorf Burgenland für die Nachbetreuung von Krisenfällen ein. „Wir können, wenn es nötig ist, aus einem Pool von rund 20 Mitarbeitern aus den verschiedensten Bereichen auswählen“, sagt SOS-Kinderdorf-Leiter Marek Zeliska. Je nach Fall würden dann Psychologen oder Sozialpädagogen angefordert, „bis hin zur kurzfristigen stationären Unterbringung bei uns im Dorf“, sagt Zeliska.

Lücke

Früher hätte es oft eine lange Lücke zwischen dem Krisenfall und einer Therapie gegeben. „Die wollen wir schließen“, sagt Zeliska. Zwei bis drei Besuche gibt es vom Krisenteam, „danach bieten wir oft mit unseren Rainbows-Gruppen weitere Trauerarbeit für Kinder und Jugendliche an“, sagt Zeliska.