APA12339560 - 16042013 - KOBERSDORF - ÖSTERREICH: Burgenlands FPÖ Landesparteiobmann Johann Tschürtz am Dienstag, 16. April 2013, in Kobersdorf vor einer Landesparteivorstandssitzung. Tschürtz will bei der Sitzung die Vertrauensfrage stellen. APA-FOTO: HANS PUNZ

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FPÖ-Krise
07/18/2013

"Kopflose" FPÖ in Mattersburg

Die zwei FPÖ-Mandatare in Mattersburg verlassen Partei und bleiben als wilde Mandatare im Gemeinderat.

von Thomas Orovits

Kein Ende der Krise bei den Blauen: In der Stadt Mattersburg, immerhin Zentrum des Heimatbezirks von FPÖ-Landeschef Hans Tschürtz, gibt es ab sofort keine blauen Gemeinderäte mehr. Der frühere FPÖ-Bezirksparteichef Peter Pregl und Ernest Gerdenitsch sind aus der Partei ausgetreten und sitzen künftig als wilde Mandatare im Stadtparlament. Hintergrund ist Unzufriedenheit mit der Bestellung der Landesgeschäftsführung und der Listenerstellung für die Nationalratswahl.

Pregl, zuletzt Stadtparteichef und davor auch Bezirksparteiobmann, habe die Entscheidung intern schon vor zwei Wochen kundgetan, sagt Neo-Bezirksparteichef Herbert Schütz. „Der Austritt tut mir persönlich leid“, bekennt Schütz. Pregl habe zu verstehen gegeben, dass er hinter der Bundes-FPÖ stehe, aber mit der Führung im Land nicht könne. Weder Pregl noch Gerdenitsch waren am Donnerstagvormittag erreichbar. Dass die beiden Ex-Blauen künftig bei der Liste Burgenland (LBL) rund um die früheren freiheitlichen Urgesteine Manfred Kölly und Wolfgang Rauter andocken, scheint nicht ausgeschlossen. „Es gibt Kontakte“, bestätigt LBL-Präsident Manfred Kölly. Nachsatz: „Die FPÖ ist zum Auflösen“.

Ob es zu weiteren Austritten im Bezirk kommt? Schütz: „Ich kann es nicht ganz ausschließen“. Jedenfalls müsse die blaue Ortsorganisation in Mattersburg neu aufgestellt werden, es gebe schon einige Kandidaten, erklärt Schütz. Nach Möglichkeit soll die neue Führung in vier Wochen stehen.

FPÖ-Chef Hans Tschürtz ruft dem Ex-Parteifreund nach: „Geh, ich werde mich mit den positiven Kräften auseinandersetzen“. Pregl wollte, dass der Landesparteivorstand ausgewechselt werde und hinter Vizebundesparteichef Norbert Hofer als Listenzweiter für die Nationalratswahl kandidieren, sagt Tschürtz. „Aber das war eine geheime Wahl, bei der Gerhard Kovasits nominiert wurde“. Was den Boss der Blauen wurmt, ist der „Mandatsraub“ von Pregl und Gerdenitsch, beide hätten bei einem Parteiaustritt auch aus dem Gemeinderat ausziehen sollen, findet Tschürtz. Eine Fortsetzung der Erosion fürchtet er nicht: „Ich war in allen Bezirken bei Mitgliederversammlungen und habe mit Kritikern gesprochen“.

Dauer-Konflikt

Wie berichtet, war die FPÖ nach dem Landesparteitag Mitte April ordentlich ins Trudeln gekommen. Damals war die Parteispitze abgestraft worden, einen Wechsel gab es dann Anfang Juli aber nur im Parteimanagement. Tschürtz sah die Partei damit wieder „befriedet“.

Im Landessüden gibt man sich derzeit tatsächlich zurückhaltender. Man habe die Unzufriedenheit deponiert und auf stärkere Mitsprache der Basis etwa bei Listenerstellungen gepocht und warte nun einmal den von Tschürtz für November avisierten Statuten-Parteitag ab, sagte der immer noch einflussreiche frühere FPÖ-Landtagsmandatar Edi Nicka am Donnerstag zum KURIER. Ziel sei ohnehin nie gewesen, „Tschürtz als Parteichef abzuschießen“, sagt Nicka – nicht zuletzt „mangels personeller Alternativen“. Eine Anfang Juni von 42 Parteitagsdelegierten verfasste Resolution bleibe zwar bis zum Parteitag „im Safe“, schwebe aber als Damoklesschwert über der Parteiführung, wenn im Spätherbst nur heiße Luft produziert werde.

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