Chronik | Burgenland
06.12.2018

Klirrende Kälte ermöglicht Eisweinlese

Der Frost bescherte den 25 Produzenten Segen: Sie rückten aus, um gefrorene Trauben zu ernten.

„Einen Eiswein hab ich zuletzt 2012 gehabt“, sagt Hermann Fink, Winzer aus Großhöflein (Bezirk Eisenstadt-Umgebung). Doch dieser Tage war es wieder soweit.

Klirrende Kälte von minus 7,5 Grad Celsius trieben den auf Süßweine spezialisierten Weinbauern und seine Familie nächtens in den Weingarten. „Es ist immer wie ein Lotteriespiel“, sagt Winzer Fink. Man müsse einfach flexibel sein und lesen, wenn der Frost einsetze. Nach der guten Ernte habe er heuer einige Trauben an den Stöcken lassen, in der Hoffnung, dass es bald friert.

Etwa 220 Liter Eiswein will Fink von der Ernte in die Flaschen füllen. Dass es heuer noch einmal die erforderlichen Minusgrade haben wird, glaubt Fink aber nicht.

„Erst der Anfang“

Optimistischer ist da sein Kollege Rudolf Payer, Chef des Prädikatsweingutes aus Apetlon (Bezirk Neusiedl am See). Der Winzer startete dieser Tage bei Riesling und Welschriesling mit der Ernte. „Das war erst der Anfang, in meinen Weingärten hängen noch weitere Trauben für Eiswein“, sagt Payer.

Eiswein ist ein rares Gut, erklärt Weinbau-Präsident Andreas Liegenfeld: Lediglich rund ein Prozent der an der gesamten burgenländischen Weinproduktion falle auf den Eiswein. Der durchschnittliche Gesamtertrag liegt im Burgenland zwischen 700.000 und 750.000 Hektoliter Wein. Heuer sollen es etwa zehn Prozent mehr sein. 25 Betriebe landesweit produzieren Eiswein, das Gros der Hersteller liege rund um den Neusiedler See. Das hänge auch damit zusammen, dass das Klima mit der hohen Luftfeuchtigkeit rund um den Neusiedler See für die Produktion optimal sei. „Grundsätzlich gilt: Je früher man mit der Ernte beginnen kann, desto besser, weil da der Zuckergehalt in den gefrorenen Trauben sehr hoch ist“, sagt der Weinbau-Präsident. Die Trauben müssen in gefrorenem Zustand gelesen und vor allem auch gekeltert werden und der Zuckeranteil muss mindestens 25 Prozent erreichen. Die Herstellung von Eiswein sei für die Winzer immer auch mit einem Risiko verbunden. „Man muss entsprechend Trauben an den Stöcken lassen und hoffen, dass es friert.“

Die Konsumenten dürften sich schon auf die süßen Tropfen freuen, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Niki Berlakovich, aber müssen sich etwas gedulden: Eisweine dürfen erst ab 1. April 2019 zur Erlangung der staatlichen Prüfnummer eingereicht werden.