Kleine Boxen und wenig Futter: Duo wegen Tierquälerei verurteilt

Beschuldigte, die selbst im Tierschutz tätig sind, fassten für "Qualtransport" bedingte Haft aus.

1300 Kilometer lang war die Reise für die 22 Vierbeiner – sechs von ihnen starben wenig später  Die Boxen waren übereinandergestapelt, die Tiere hatten kaum Platz

Als Tierliebhaber präsentierten sich am Montag am Landesgericht Eisenstadt zwei Angeklagte aus Bulgarien (58 und 45 Jahre alt). Von der Staatsanwältin wurden sie wegen des Vorwurfs der Tierquälerei und der Urkundenfälschung angeklagt.

Der 45-Jährige engagiert sich seit Jahren in einem Tierschutzverein, der 58-Jährige arbeitet als Pfleger in einem Tierheim in Bulgarien. Weil es in ihrer Heimat ein Problem mit streunenden Hunden gebe, habe man die Vierbeiner zu neuen Haltern in die Niederlande bringen wollen. Im März dieses Jahres startete das Duo seine Reise in der Heimat – mit 22 Hunden im Kofferraum. Nach 1300 Kilometern war Endstation: Ein junger Polizist stoppte den Transport in Nickelsdorf.

In 15 teilweise viel zu kleinen Boxen waren die 22 Hunde laut Amtstierärztin untergebracht. "Zwei der Käfige waren ganz schlimm, das hat mich schockiert", erklärte die Veterinärmedizinerin als Zeugin vor Gericht. Ein 20 Kilogramm schwerer Hund sei in einen Käfig, der in etwa die Größe einer Katzenbox gehabt habe, gepfercht gewesen. Außerdem sind die Hunde laut Anklage über längere Zeit weder gefüttert noch getränkt worden. "Sie haben die angebotenen Leckerlis fast samt meiner Hand verschlungen", erklärte die Amtstierärztin. Zum schlechten Zustand der Tiere habe auch beigetragen, dass die Transportboxen mit Säcken verdeckt gewesen seien. Entsprechend schlecht seien Sauerstoff- und Lichtzufuhr gewesen.

"Nicht mehr zu retten"

Im Sonnenhof in Eisenstadt, dem Tierschutzheim des Landes, wurden die Hunde aufgenommen, schildert Leiter Wolfgang Böck. "Sechs der Tiere waren mit Parovirose befallen und trotz intensiver Bemühungen nicht mehr zu retten", sagte Böck. Drei Hunde hatten Operationswunden, die Kastrationen dürften von Laien durchgeführt worden seien. "Die Eingriffe waren offensichtlich nicht lege artis (nach den Regeln der ärztlichen Kunst, Anm.)  vorgenommen worden."

Die 16 Tiere, die überlebt hatten, haben mittlerweile ein neues Zuhause gefunden.

Die beiden Angeklagten bekannten sich vor Gericht nicht schuldig. "Wir haben alle drei, vier Stunden eine Pause eingelegt, die Hunde gefüttert und getränkt", sagt der 58-Jährige. Verdient hätten sie durch den Transport jedenfalls nichts, versichern die beiden Beschuldigten. Lediglich 450 Euro hätte er für Benzin- und Fahrtkosten erhalten, sagt der 58-jährige Fahrer. Die zum Teil gefälschten Tierpässe seien ihnen vom Veterinär des bulgarischen Tierschutzhauses, in dem die Hunde untergebracht waren, übergeben worden.

Die Urteile – drei bzw. vier Monate bedingte Haft – sind nicht rechtskräftig.

(kurier) Erstellt am
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