© Orovits Thomas

Chronik Burgenland
11/03/2020

Klage über „herrischen“ Simandl

Zweiter Begas-Prozess. Vier Angeklagte müssen sich verantworten / Ex-Begas-Boss fehlt wieder / Energie Burgenland fordert vom Quartett 3,2 Millionen Euro

Kaum hat am Dienstagvormittag der zweite Begas-Strafprozess am Landesgericht Eisenstadt begonnen, hat einer der vier verbliebenen Angeklagten schon genug: „Frau Richter, ich sage Ihnen, ich kann nicht mehr“. Er habe mit seinem Therapeuten nach dem ersten Prozess daran gearbeitet, „alles zu vergessen“. Aber der 65-jährige Ex-Manager zweier Tochtergesellschaften der Begas weiß natürlich, dass er dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Karin Knöchl wieder Rede und Antwort stehen muss – was der gebürtige Oberösterreicher dann auch ausgiebig tut.

2012 ist der Skandal beim Erdgasversorger Begas (mittlerweile Teil der Energie Burgenland) aufgeflogen, im Mittelpunkt steht der heute 70-jährige Rudolf Simandl, Vorstand von 1995 bis 2012. Schon im ersten Strafprozess 2016 warf ihm die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vor, das im Eigentum von Gemeinden stehende Unternehmen als „Selbstbedienungsladen“ geführt zu haben. Wegen Depressionen fehlte Simandl 2016 und er fehlt auch beim aktuellen Prozess, in dem es um eine Reststoffverwertungsanlage in Heiligenkreuz um 100 Millionen Euro geht. Die Anlage wurde nie gebaut, stattdessen sollen private Bauten von Simandl und zum kleinen Teil auch des 65-jährigen Ex-Managers indirekt aus Mitteln der Begas finanziert worden sein.

3,2 Millionen gefordert

Oberstaatsanwältin Alexandra Baumann von der WKStA lastet Simandl in der Anklage Untreue mit einem Schaden von 2,1 Millionen Euro an. Vier Angeklagte müssen sich aber vor Gericht verantworten. Neben dem 65-jährigen Ex-Begas-Manager drei frühere Geschäftspartner Simandls: Der Inhaber eines zwischenzeitlich insolventen Ziviltechnikerbüros, ein pensionierter Baumeister und der Geschäftsführer einer Baugesellschaft. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Ein weiterer Ex-Begas-Manager ist mit einer Diversion davongekommen.

Der 65-jährige Ex-Manager bekannte sich zum Auftakt als einziger voll geständig. Er war beim ersten Prozess 2016 einer von drei Verurteilten (24 Monate, davon 16 bedingt). Simandl sei „bestimmend und herrisch“ gewesen. Bei Widerspruch sei man „geflogen“.

Der pensionierte Baumeister zeigte sich „teils geständig“, der Ziviltechniker und der Geschäftsführer einer Baugesellschaft weisen jede Schuld von sich. Der Anwalt des Geschäftsführers machte geltend, sein Mandant habe sich allenfalls eines steuerlichen Vergehens schuldig gemacht, das sei aber erledigt. Seinem Arbeitgeber habe er den Schaden ersetzt und viel zur Aufklärung der Causa beigetragen. Sein Mandant habe sich "nicht bereichert und ist nicht befördert worden", bemerkte Anwalt Andreas Pollak: Das Strafgesetzbuch sei deshalb ein zu schweres Geschütz.

Die Energie Burgenland hat sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen und fordert vom Quartett fast 3,2 Millionen Euro. Das Landesunternehmen habe bisher nur einen "Bruchteil" des Schadens ersetzt bekommen, sagte Piroska Vargha von der Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner, die die Energie Burgenland vertritt.

Der Prozess soll bis Anfang Dezember dauern.

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