Chronik | Burgenland
31.01.2018

Kino im Stadtzentrum wackelt

Betreiber beklagt hohe Auflagen, Anrainer und Behörde vermissen Unterlagen.

Für das geplante Kino im Zentrum von Eisenstadt wird es eng: Der Tiroler Betreiber Mario Hueber macht im KURIER-Gespräch klar, dass er nicht mehr lange zuwarten will. Wenn es nicht im ersten Quartal 2018 zu einer Bauverhandlung kommt und sich der Weg bis zur Baubewilligung abzeichne, werde das Projekt "in dieser Form nicht kommen", stellt der Unternehmer klar.

2018 – war da nicht was? Schon im Herbst 2017 hätte das Kinocenter den Spielbetrieb aufnehmen und die seit bald sieben Jahren währende kinolose Zeit in der Landeshauptstadt beenden sollen. Um 4,5 Millionen Euro wollen Huebers Megaplex und der Eisenstädter Investor Anton Wagner vier Säle mit 540 Sitzplätzen errichten. Für das Alleinstellungsmerkmal gegen die Konkurrenz in Mattersburg & Co. sollte ein Freiluftkino für 110 Gäste auf dem Dach des Centers sorgen. Die Stadt räumte den Kino-Investoren für 70 Jahre ein Baurecht ein, bleibt aber Eigentümerin des Grundstücks, hatte ÖVP-Bürgermeister Thomas Steiner bei der Präsentation im Frühsommer 2016 erklärt.

Auflagen

Aber die sieben Anrainer sowie Behörden sehen das Projekt weit weniger rosig. Während es für die Anrainer um Lebensqualität und den Wert ihrer Häuser geht, lässt Hueber anklingen, dass die Auflagen für den Betrieb so teuer werden könnten, dass sich das Projekt wirtschaftlich nicht mehr rechne.

"So viel Widerstand gibt es sonst nirgends", sagt Hueber, aber "wir kämpfen ums Kino", denn man spüre auch Rückhalt durch die Stadt und von vielen Bewohnern, die gerne wieder ein Kino in Eisenstadt hätten. Insider berichten freilich auch von "dilettantischem" Vorgehen der Projektbetreiber, weil noch immer Unterlagen fehlten, um das Projekt "überhaupt verhandeln zu können". Faktum ist jedenfalls, dass eine im Jänner geplante Bauverhandlung verschoben werden musste, weil "Nachbesserungen" nötig seien, sagt Hueber.

Die Umweltanwaltschaft Burgenland etwa fordert ein Verkehrskonzept für die Zu- und Abfahrt von Kinobesuchern (so seien zunächst nur vier (!) Parkplätze vorgesehen) und Unterlagen zur Lärmentwicklung durch das Open-Air-Kino auf dem Center-Dach. Und es fehle auch noch der Bebauungsplan von Seiten der Kommune. Umweltanwalt Werner Zechmeister ist jedenfalls nicht überzeugt, dass ein Kino mitten in der Stadt sinnvoll sei.

Für Hueber ist das Kino im Herzen der Stadt zwar erste Wahl, aber er schließt Alternativen nicht dezidiert aus, grundsätzlich sei auch ein anderes Projekt in Eisenstadt "vorstellbar". Bürgermeister Steiner hat "keinen Plan B", wenn das Kino im Zentrum nicht kommt, der Stadt entstünden jedenfalls keine Kosten. Und allfällige andere Projektvorschläge wären Sache der Projektwerber.