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Chronik Burgenland
07/31/2019

Kinderbetreuung über Gemeindegrenzen hinweg

Güttenbach und Neuberg haben Lösung für den Kindergarten. Mit Gratis Kindergarten sollen auch Öffnungszeiten besser werden.

von Roland Pittner

Der Kindergarten in Neuberg, Bezirk Güssing, ist verwaist – wie viele Kinderbetreuungseinrichtungen im Burgenland über den Sommer. Laut Statistik Austria haben die Betreuungseinrichtungen im Burgenland mit 20,4 Tagen die meisten Schließtage in Österreich. Diese Tatsache stellt viele berufstätige Eltern und Alleinerziehende vor große Herausforderungen. Der Österreichschnitt liegt bei „nur“ elf Tagen.

Lösung

Die Gemeinden Neuberg und Güttenbach haben gemeinsam eine Lösung für das Problem gefunden und bieten nur fünf Tage im Sommer ihre Kinderbetreuung nicht an. Die Kinder aus Neuberg spielen nämlich derzeit in Güttenbach: Einige sind am Trampolin, andere rutschen, es wird geplanscht und gemalt. „Wir hatten den ganzen Juli geöffnet und haben auch die Kinder aus Neuberg betreut“, erklärt Hilde Jandrisevits, die Kindergartenleiterin von Güttenbach.

„Für uns wäre es anders nicht gegangen“, sagt etwa Desiree Schuch aus Neuberg. Ihre beiden Kinder sind in Güttenbach im Kindergarten. Sie und ihr Mann könnten nur zwei Wochen Urlaub nehmen. „Hätten wir vier Wochen keine Betreuung, könnten wir gar nicht gemeinsam auf Urlaub fahren“, sagt die junge Mutter.

Zusammenarbeit

Die Bürgermeister Leo Radakovits aus Güttenbach und Thomas Novoszel aus Neuberg, beide ÖVP, haben schon zu Jahresbeginn mit den Planungen begonnen. „Unsere Kindergärten sind nur zwei Kilometer Luftlinie entfernt“, sagt Novoszel. So sei die Kooperation ein logischer Schritt. Die Pädagoginnen der beiden Gemeinden haben sich abgestimmt. Die Mitarbeiter in Neuberg hatten im Juli Urlaub, dafür haben die Güttenbacher im August ihre Ferien. „So haben wir nur eine Woche keine Betreuung und es entstehen keine Mehrkosten für die Eltern oder die Gemeinden“, sagt Radakovits.

Gratiskindergarten

„Wir sind unserem Ziel, die Rahmenbedingungen für umfassende Verbesserungen in der Kinderbetreuung zu schaffen, schon sehr nahe“, sagt SP-Bildungslandesrätin Daniela Winkler. Wie angekündigt, werde noch heuer in allen Gemeinden der Gratiskindergarten kommen.

Das neue Gesetz soll auch darauf abzielen, die Öffnungszeiten in den Kindergärten zu optimieren und die Voraussetzungen für eine flächendeckende Ferienbetreuung zu schaffen. Man wolle sich am Bedarf der einzelnen Gemeinden orientieren, so Winkler.

Das Familienreferat des Landes fördert die Betreuung von Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren über die Sommermonate. Förderfähig sind Gemeinden, Vereine oder Institutionen, die gemeinnützig arbeiten. Mittlerweile wird in mehr als 100 Gemeinden Ferienbetreuung angeboten. Das Land unterstützt diese Initiativen mit bis zu 350 Euro Förderung pro Gruppe und Woche. Die Größe einer Gruppe reicht von fünf bis 25 Personen.

Die Angebote in den Gemeinden werden durchwegs gut angenommen. In Steinbrunn etwa startete die Gemeinde 2005 mit 15 Kindern, heuer sind schon 60 Kinder dabei. Auch in Oberwart sind rund 100 Kinder beim Kindersommer. Die Kinder zwischen sechs und 14 Jahren werden acht Wochen lang betreut. Start ist schon ab 7.30 Uhr.