Kein Kadi für Kinderlärm

Kinderlärm darf kein Fall fürs Gericht sein, fordern die Kinderfreunde. Klagen gegen Kinderlärm sollen verhindert werden.

Wenn es draußen länger hell ist, bleibt es oft auch länger laut. Kinder nutzen die schönen Tage und können dabei im Spiel ganz schön laut werden - zum Ärger von Nachbarn. Aber soll Kinderlärm deshalb strafbar sein? "Nein", sagt Kinderfreunde-Landeschefin Inge Posch-Gruska. Die SPÖ-Bundesrätin will deshalb am 6. Oktober in der Länderkammer einen Gesetzesantrag einbringen, der anschließend im Nationalrat behandelt werden soll.

Unterstützung erhält sie von ihrer Partei im Landtag, wo im September ein Entschließungsantrag geplant ist, den man allen anderen Landtagen ans Herz legen möchte.
Das Ziel: "Wir wollen sicherstellen, dass Klagen gegen Kinderlärm verhindert oder zumindest deutlich erschwert werden", sagt die Hirmer Bürgermeisterin. Dass es zuletzt in zwei burgenländischen Gemeinden Einsprüche von Anrainern gegen Kindergarten-Ausbaupläne gab, hat Posch-Gruska auf den Plan gerufen. "Ich will doch unsere Kinder nicht in ein Ghetto sperren". Aber sie sieht auch eine generelle Tendenz, Kinderlärm zu kriminalisieren. In den letzten Jahren habe es etliche Urteile des Obersten Gerichtshofs rund um Kinderlärm gegeben. Dem will die Politikerin nun einen - gesetzlichen - Riegel vorschieben.

Böse Mails

Nicht zur Freude aller: "Ich habe schon einige sehr böse Mails bekommen", sagt Posch-Gruska zum KURIER. Dabei rede sie keineswegs der "Narrenfreiheit" das Wort, denn "natürlich gibt es auch für Kinder Grenzen, und Toleranz ist keine Einbahnstraße", präzisiert die Bundesrätin.

Zuspruch erhält die rote Politikerin hingegen vom Präsidenten des ÖVP-Seniorenbundes, Kurt Korbatits: "Da bin ich auf Seiten der Kinder", bekennt der Seniorenvertreter und sieht sich dabei im Einklang mit seiner Klientel, denn viele Mitglieder seien Großeltern, die auf ihre Enkel aufpassen.

Und auch die Polizei bricht eine Lanze für die Kinder: "Bis jetzt gab es keine Beschwerden, und ich hoffe das bleibt so, denn Kinder sind einfach Kinder", sagt ein Beamter im Eisenstädter Stadtpolizeikommando.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011