Chronik | Burgenland
18.07.2018

Kein Innenstadt-Kino in Eisenstadt

Das 2016 vorgestellte Projekt der Tiroler Familie Hueber wird abgeblasen, Anrainer-Widerstand und behördliche Auflagen waren ausschlaggebend

Eisenstadt muss weiter auf ein Kino warten: Das im Zentrum der Landeshauptstadt neben dem Kulturzentrum geplante Megaplex des Tiroler Familienunternehmens Hueber kommt nicht, bestätigte Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) am Mittwoch im KURIER-Gespräch. Hueber habe sich „mit Bedauern“ zurückgezogen. „Schade, dass es nicht möglich war“, sagt Steiner, der sich mit viel Herzblut für das Kino in der Innenstadt engagiert hat, um den Bewohnern der Landeshauptstadt ein zusätzliches Freizeitangebot machen zu können.  Kosten seien der Stadt jedenfalls keine entstanden, versichert der Stadtchef, auch keine Grunderwerbssteuer  für die Einbringung des Grundstücks in die gemeindeeigene KG.

Im Juni 2016 war das Projekt erstmals präsentiert worden. Gemeinsam mit dem Eisenstädter Investor Anton Wagner wollte  die Familie Hueber, die bereits in mehreren Bundesländern Kinos betreibt, rund 4,5 Millionen Euro investieren. Geplant war ein Kinocenter mit vier Sälen und 540 Sitzplätzen auf dem jetzigen Parkplatz Osterwiese  zwischen Kulturzentrum und Gymnasium Kurzwiese.  Besonders das als  Zuckerl gedachte Freiluftkino auf dem Dach mit 110  Plätzen stieß  aber den Anrainern sauer auf, der Eröffnungstermin im Herbst 2017 war bald Makulatur. Anfang 2018 hatte Firmenchef Mario Hueber via  KURIER durchblicken lassen, dass seine Geduld enden wollend  ist: „So viel Widerstand gibt es sonst nirgends“.

Dass sich die Anrainer gewehrt haben, sieht Bürgermeister Steiner emotionslos: „Das ist ihr gutes Recht, den Rechtsweg zu beschreiten“. Die Familie Hueber sei von anderen Bundesländern gewohnt gewesen, „mit offenen Armen empfangen zu werden“, wenn sie investiert, in Eisenstadt sei das nicht durchgehend so gewesen: „Auch wenn die behördlichen Verfahren positiv geendet hätten, hätten die Betreiber mit laufenden Anfeindungen und Anzeigen rechnen müssen“, zeigt der Stadtchef auch Verständnis für den Rückzieher.  Steiner hat dem Tiroler Unternehmer noch Alternativstandorte (Allsport-, Einkaufs- und Fachmarktzentrum) angeboten, Hueber habe aber mit dem Hinweis abgelehnt, sein Kino-Konzept fuße auf dem Innenstadt-Bonus.

Wie geht es jetzt weiter? Der Bürgermeister will sich jedenfalls weiter um ein Kino bemühen (2011 schloss das letzte Lichtspieltheater in Eisenstadt), kann derzeit aber nicht sagen, „ob wir noch einmal die Chance bekommen“ – zumal mittlerweile neben Mattersburg auch in Parndorf ein Kinocenter steht. Steiner: „Vor allem für die jüngeren Eisenstädter wäre ein Kino in der Stadt aber sicher eine coole Sache“.