Chronik | Burgenland
15.09.2017

Kauf der Bahnstrecke Oberwart-Friedberg besiegelt

Der Kaufvertrag für die Bahnstrecke Oberwart-Friedberg wurde zwischen Land und ÖBB unterschrieben.

Kurz vor der Landtagswahl 2015 verkündeten Landeshauptmann Hans Niessl und der damalige ÖBB-Chef Christian Kern, dass das Land die Bahnstrecke Oberwart-Friedberg übernehmen wird. So sollte der Güterverkehr gesichert werden. Vorverträge wurden unterzeichnet. Danach kamen Verhandlungen, die nun, am Donnerstag, beendet wurden.

Am Oberwarter Bahnhof fuhr für die Unterzeichnung der Verträge extra der ehemalige Präsidenten-Salonwagen vor. Ein seltenes Bild, denn der Personenverkehr auf der Strecke ist seit 2011 eingestellt. ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä besiegelte den Verkauf ans Land mit seiner Unterschrift. Die eigens gegründete Verkehrsinfrastrukturbetriebe Burgenland (VIB) Gesellschaft, eine Tochterfirma der Landesholding, ist nun Besitzer der 25,8 Kilometer langen Bahnlinie.

Güterverkehr

2012 stand auch der Güterverkehr auf der Kippe, jetzt ist der Fortbestand gesichert. "Die Bahn hat Zukunft", erklärt Niessl. Doch die Wiederaufnahme des Personenverkehrs stehe nicht zur Debatte. "Wir haben die beste Buslinie Österreichs mit der G1 nach Wien", betonte der Landeshauptmann mehrmals. Andreas Reiner, VIB-Geschäftsführer, spricht von einem "historischen Ereignis". Er sieht einen Impuls für die Gemeinden und die Wirtschaft an der Strecke. Die Gemeinden sollten auch zur Kasse gebeten werden, passiert sei das noch nicht. "Die Beteiligung müssen wir noch durchdiskutieren", meint Reiner, aber die Gemeinden würden hinter der Erwerbung stehen. Der Kaufpreis bleibt geheim.

Kritik

Oberwarts Bürgermeister und ÖVP-Verkehrssprecher Georg Rosner begrüßt den Erhalt der Bahnlinie, kritisiert aber die Vorgehensweise der SPÖ. "Alle Fakten gehören auf den Tisch. Wir erwarten uns vollste Transparenz und alle Details zum Kauf", sagt Rosner. Dass die Gemeinden sich am Kaufpreis, der geheim ist, beteiligen sollen, kritisiert Rosner ebenfalls. Die ÖVP will eine schriftliche Anfrage zu der Causa einbringen.

Für die Betriebe, die rund 100.000 Jahrestonnen an der Strecke verladen, ändere sich jedenfalls nichts, wie Heimo Portschy von der Firma Unger Steel erklärt. Der Besitzer der Strecke ist nun das Land und der Erhalter ist die Firma "LogServe", die zur Voest gehört. In den nächsten Jahren würden auch einige Investitionen gemacht, wie Landeshauptmann Niessl ankündigt, dabei handelt es sich um die Erhaltung der Strecke und Sicherheitsmaßnahmen.

ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä kündigte "in den nächsten sechs Jahren 90 Millionen Euro an Investitionen im Burgenland" an. Überlegt werde, in Parndorf oder Deutschkreutz zu investieren. Ob die Strecke in Jennersdorf elektrifiziert wird, stehe noch nicht fest. Die Strecke Oberwart-Friedberg kostet den ÖBB nun jedenfalls nichts mehr.