Chronik | Burgenland
13.05.2018

Jennersdorf wartet noch auf S7 und Bahn, Aufschwung spürbar

Die Region ist der Inbegriff des ländlichen Gebiets. Doch die Zahl der Arbeitslosen sinkt und Firmen siedeln sich an.

Der Bezirk Jennersdorf ist der Inbegriff einer strukturschwachen Region. Für Ewald Ulrich, der das Unternehmen ANA-U führt, ist das aber kein Hindernis, sich genau hier anzusiedeln: Im Herbst kommt neben Standorten in Gleisdorf, China und Japan ein neuer in Kalch hinzu. Ulrich, der in der Ortschaft aufwuchs, gründete das Unternehmen für Sicherheits- und Ausweiskartentechnik und ist weltweit tätig.

Das schnelle Internet habe die Ansiedlung möglich gemacht: „Vor zwei Jahren wurde das Breitbandnetz ausgebaut, das war ein Schlüsselkriterium“, sagt der Unternehmer. Außerdem gebe es genügend qualifizierte Arbeitskräfte, die aus dem Bezirk auspendeln. Zehn Arbeitsplätze will Ulrich schaffen, für einfache Arbeiter, Handwerker und auch IT-Spezialisten. „Es ist heute egal, ob ein Mitarbeiter in New York, Tokio oder Kalch sitzt, wenn er gut ist“, sagt Ulrich. Einzig das Internet müsse für Technologiefirmen wie ANA-U passen.

Breitbandinternet

Im Bezirk Jennersdorf sind die weißen Flecken, in denen es kein brauchbares Internet gibt, weniger geworden. In Sachen Arbeitslosigkeit schaut es nicht schlecht aus: Ein Minus von 26,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wurde im April verzeichnet. „Jennersdorf selbst hat kein Plus an Beschäftigung, wir nutzen vorwiegend überregionale Chancen“, sagt Harald Braun, AMS-Geschäftsstellenleiter. Ein Grund sei der Autocluster von Gleisdorf bis Graz, einige steirische Bezirke seien nah an der Vollbeschäftigung – das bringe auch den Südburgenländern Möglichkeiten. „Ich bin wieder optimistisch für den Bezirk“, sagt Braun.

Es krankt aber noch immer an der fehlenden Schnellstraße, der S7. Die 28 Kilometer lange Strecke zwischen Riegersdorf in der Steiermark und Heiligenkreuz soll 2023 fertig sein. Auch die einzige Bahnlinie im Bezirk von Jennersdorf nach Graz soll endlich elektrifiziert werden.

Der 1997 eröffnete Businesspark Heiligenkreuz wächst. Neben dem Leitbetrieb Lenzing, der 230 Mitarbeiter beschäftigt, sollen die Firmen Agrar-Heiligenkreuz und der Holzverarbeiter Wibeba kommen. „Mit zwei weiteren Betrieben gibt es Verhandlungen“, sagt SP-Bürgermeister Eduard Zach. Wenn diese in Vollbetrieb gehen, rechnet er mit 100 neuen Jobs, auch eine Supermarkt-Filiale wird gebaut, genauso wie ein Abfallsammelzentrum vom Umweltdienst Burgenland. „Es wird wieder interessant, in Heiligenkreuz zu wohnen“, freut sich Zach. Wie auch die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG), die gleich zwei Projekte im Ort baut: „Wir merken die wirtschaftliche Dynamik – Heiligenkreuz ist ein Standort, der Zukunft hat“, sagt OSG-Chef Alfred Kollar.