Chronik | Burgenland
10.10.2018

Inge Posch-Gruska: Die höchste Rote der Republik

Inge Posch-Gruska aus Hirm bekleidet das höchste Amt, das die SPÖ zu vergeben hat

Bundesratspräsidenten stehen für gewöhnlich nicht in der politischen Auslage, anders ist das bei Inge Posch-Gruska. Nicht nur, weil die rote Bürgermeisterin aus Hirm mit ihrer Meinung selten hinterm Berg hält, auch, weil sie noch bis Jahresende das höchste Amt bekleidet, das die SPÖ derzeit in der Republik zu vergeben hat – Bundespräsident, Nationalratspräsident und Kanzler sind ja anderweitig vergeben.

Diese protokollarische Position sei ihr bewusst, sagt Posch im KURIER-Gespräch und lacht herzhaft, denn Hierarchien haben der Linken in der SPÖ nie allzu viel bedeutet. „Ich bin wegen der Werte in der Partei, nicht wegen der Köpfe“, betont sie denn auch und ist froh, dass nach Christian Kerns endgültigen Abgang die „Personaldiskussion abgeschlossen ist und inhaltlich diskutiert wird“. Dass mit Pamela Rendi-Wagner erstmals ein weiblicher Kopf die SPÖ anführt, freut die Bundesratschefin ungemein, zumal sie Rendi-Wagner als „eher links“ einstuft.

Den Boden für eine weibliche Vorsitzende hätten aber auch die SPÖ-Frauen auf dem flachen Land aufbereitet, holt Posch ihre weniger prominenten Genossinnen vor den Vorhang. In ihrem Heimatbezirk Mattersburg etwa träfen sich die SPÖ-Frauen alle zwei Monate intern und vier Mal im Jahr gehe man mit politischen Aktionen auf die Straße.

Burgenlandabend

Unter die Leute bringen will sie auch ihre Überzeugung von der Notwendigkeit der Länderkammer, die mangels Kompetenzen (meist bloß aufschiebendes Veto gegen Gesetzesbeschlüsse des Nationalrats, Anm.) immer wieder in Frage gestellt wird. Anfangs auch von ihr: Als Posch 2010 vom Burgenländischen Landtag in den Bundesrat entsandt wurde, war sie „sehr unglücklich. Ich wollte damals im Landtag in Eisenstadt bleiben“.

Mittlerweile ist die 56-jährige bekennende Föderalistin Fürsprecherin des Bundesrats und hat auch von den anderen Spitzen der Republik nichts Gegenteiliges gehört. „Ich habe bei meinen Antrittsbesuchen bei Bundespräsident, Nationalratspräsident, Kanzler und Vizekanzler stets die Wichtigkeit des Bundesrats angesprochen und nirgends gehört, dass das nicht stimmt“, sieht die Rote die Länderkammer auch von Türkis-Blau nicht in Frage gestellt. Für Posch-Gruska verbindet der Bundesrat Gemeinden (viele Bundesräte sind Bürgermeister) mit Ländern und Bund.

Diese Mittlerrolle soll heute bei einem erstmals veranstalteten musikalisch-kulinarischen „Burgenlandabend“ im Bundesrat zelebriert werden.