Chronik | Burgenland
19.10.2018

Immobilienmarkt: Billige Häuser werden immer teurer

Preis pro Haus liegt 42 Prozent unter Bundesschnitt / Steigerung von 50 Prozent in fünf Jahren

Das Burgenland ist das Land der Häuslbauer. Sagt man. Immer mehr wird das östlichste Bundesland aber auch das Land, in dem der Immobilienmarkt stark anzieht. Im ersten Halbjahr 2018 wechselten exakt 396 Einfamilienhäuser den Besitzer. Im Vergleich zu 2017 ist das ein sattes Plus von fast 20 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesland Salzburg wurden im selben Zeitraum gerade einmal 290 Einfamilienhäuser verkauft. Auch Tirol (355), Vorarlberg (232) und sogar Wien (205) liegen deutlich hinter dem Burgenland.

Häuser werden teurer

Wo alle anderen Bundesländer hingegen die Nase vorn haben, ist der Preis. Während der Österreichschnitt nämlich bei knapp 237.000 Euro liegt, bekommt man im Burgenland ein Einfamilienhaus im Schnitt schon um rund 138.000 Euro. Das sind um 42 Prozent weniger als im Bundesschnitt – vor fünf Jahren war es sogar nur die Hälfte. Eigentümer von Immobilien können dennoch beruhigt in die Zukunft schauen, denn das Burgenland holt kontiniuerlich auf: Mit einer Preissteigerung von 47,5 Prozent im Fünf-Jahresvergleich lässt man alle anderen Bundesländer hinter sich. „Unbestritten ist, dass das Haus im Grünen im Burgenland ein immer stärkerer Wirtschaftsfaktor wird und ständig an Wert gewinnt“, sagt Daniela Weiß von RE/MAX.

Ein genauer Blick auf die einzelnen Bezirke zeigt große Unterschiede: In Güssing (60) und Mattersburg (42) wurden weniger Häuser verkauft als im ersten Halbjahr 2017, in allen anderen Bezirken gibt es zum Teil große Steigerungsraten. Wie etwa in Oberwart, wo im ersten Halbjahr mit 90 Häusern mehr als doppelt so viele verkauft wurden, wie im Vergleichszeitraum.

Ein ständiges „Duell“ am burgenländischen Immobilienmarkt ist das Match Landeshauptstadt gegen Neusiedler See. Seit 2009 wechselt in den Halbjahresauswertungen Jahr für Jahr die Führungsposition bei den Einfamilienhauspreisen zwischen Neusiedl am See und Eisenstadt. Während im Vorjahr Neusiedl den Preisreigen angeführt hat, ist es heuer wieder die Landeshauptstadt mit Eisenstadt-Umgebung.

Im Schnitt knapp 200.000 Euro kostet ein Einfamilienhaus in Eisenstadt, 180.000 Euro waren es im Bezirk Neusiedl am See, Mattersburg liegt mit 176.000 Euro nicht weit dahinter. Am anderen Ende der Preisskala finden sich Jennersdorf mit 115.000 Euro, Güssing, Oberpullendorf und Oberwart mit knapp über 100.000 Euro. Auffallend also, dass gerade am günstigsten Markt, nämlich im Bezirk Oberwart, die größte Dynamik herrscht.

Dennoch dürften die Preise vor allem im Nordburgenland weiter stark ansteigen, während das große Angebot im demografisch benachteiligten Südburgenland preisdämpfend wirkt. „Für den Norden erwarten wir uns verstärktes Wertwachstum. Vor allem die Achse Parndorf bis Frauenkirchen ist interessant“, sagt Bernd Gabel-Hlawa, Geschäftsführer der Immobilien-Plattform FindMyHome.at. Einerseits gebe es starken Zuzug von Familien aus dem Raum Wien, die ein Haus im Grünen einer Wohnung vorziehen, andererseits würden die slowakischen Nachbarn die Region entdecken. „Außerdem bleiben viele Jungfamilien aus der Region lieber in ihrer Heimat und nehmen das Pendeln in Kauf“, sagt Gabel-Hlawa.

Klima und Kultur

Laut Gabel-Hlawa interessieren sich noch zwei weitere Gruppen für einen Wohnsitz im Burgenland: Pensionisten und Kulturliebhaber. „Die einen lockt das pannonische Klima und die vielen Freizeitmöglichkeiten, die anderen das kulturelle Angebot und das vielseitige Genussprogramm“, sagt Gabel-Hlawa. Laut ihm haben sich die Preise in den vergangenen Jahren vor allem im Nordburgenland vervier- bis verfünffacht – von 57 auf oft schon über 250 Euro pro Quadratmeter.