© Emmerich Mädl / Land Burgenland

Chronik Burgenland
09/26/2020

Im Seewinkel gedeiht die Ökumene

Orthodoxes Kloster. In St. Andrä wurde der Grundstein für den ersten Klosterbau der Orthodoxie in Österreich gelegt

von Thomas Orovits

Ehe dieser Grundstein gelegt werden konnte, mussten sehr viele Steine aus dem Weg geräumt werden. Am Samstag war es tatsächlich so weit. In St. Andrä am Zicksee im burgenländischen Seewinkel wurde sechs Jahre nach dem grundsätzlichen Ja zum Klosterbau der Grundstein für das erste orthodoxe Kloster Österreichs – und Mitteleuropas – gelegt.

Das Kloster „Maria Schutz“ solle „ein Zentrum der Begegnung zwischen Ost und West“ werden, wünschte sich der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios Kardamakis, im Rahmen des Festaktes, an dem auch der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics, der evangelische Superintendent Manfred Koch und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil teilgenommen haben.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. verzichtete angesichts der Corona-Pandemie auf eine Anreise aus der Türkei. Zwei Maurerlehrlinge halfen dabei, den Grundstein zu legen, auf dem darauf verwiesen wird, dass die Diözese Eisenstadt das Grundstück „großzügig gestiftet“ habe.

Dabei hatte Kardamakis selbst das Vorhaben im Frühjahr 2017 ad acta gelegt, weil es von Teilen der Bevölkerung im Ort anhaltenden Widerstand gegeben hatte. Weniger gegen den Bau an sich, viel mehr gegen den Standort neben einer Wohnsiedlung in der 1.400-Einwohner-Gemeinde.

Nach einer Volksabstimmung im Juni 2017 mit einer Mehrheit zugunsten des Klosterbaus, hat Kardamakis zum Rückzug vom Rückzug geblasen und dem Bau in St. Andrä doch wieder den Sanktus erteilt.

Offen gezeigten Widerstand gebe es aktuell nicht, sagte St. Andräs ÖVP-Bürgermeister Andreas Sattler am Samstag zum KURIER. Er höre zwar von einem „Zettel“, der im Dorf verteilt werde, gesehen habe er ihn aber noch nicht.

5 bis 7 Millionen Euro

Die Gemeinde steht hingegen ebenso wie Land und Diözese hinter dem historischen Projekt. Er erhoffe sich zusätzliche Gäste in seiner auch vom Tourismus lebenden Gemeinde, so Ortschef Sattler. Für Landeshauptmann Doskozil zeige das Projekt, dass das Burgenland „ein Land der Offenheit und des Zusammenhalts sei“. Und Bischof Zsifkovics verwies auf die christliche Dimension, denn die Diözese Eisenstadt und das Burgenland seien nun „ein Verbindungsstück zwischen den zwei Lungenflügeln, mit denen das Christentum atme. Das Kloster verdeutliche, dass sowohl orthodoxe als auch katholische Christen Mitglieder ein und derselben Familie sind“, betonte der katholische Oberhirte.

In einem ersten Schritt wird um 900.000 Euro die Klosterkirche errichtet, dieser Bau ist vor allem dank Spenden ausfinanziert. Danach folgen die Zellen für die Mönche, Empfangsräume, eine Bibliothek, das Refektorium, Nebenräume und Werkstätten. Auch ein Gästehaus ist geplant. Acht bis zwölf Mönche werden im Kloster Platz finden. In drei Jahren soll alles fertig sein und in Summe 5 bis 7 Millionen Euro kosten. Generalplaner des Projekts ist der Wiener Architekt Themistoklis Ioannou.

Vier Mönche und zwei Novizen leben bereits seit einigen Jahren in einem angekauften Haus in St. Andrä und sind bei der Bevölkerung ob ihrer Umgänglichkeit wohlgelitten.

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