Im Hafen der "Bio-Träume" angelegt

Exportschlager: Bioprodukte Pinczker aus Oberkohlstätten expandiert und hat für 2,5 Millionen Euro einen Silo im Hafen von Wien erworben.

Vor zwanzig Jahren noch belächelt und das angekündigte Vorhaben im Dorfwirtshaus als Spinnerei abgetan, hat Johann Pinczker heute seinerseits gut lachen. Der Landwirt aus Oberkohlstätten, Bezirk Oberwart, stellte Mitte der 1980er-Jahre seinen Betrieb auf Bio-Produktion um, ein Vorreiter im damaligen "Düngerzeitalter".

"Ein mutiger Schritt, aber der richtige", zollt Junior-Chef Martin Pinczker seinem Vater Respekt. Zunächst nur das eigene Getreide an die Mühlen geliefert, wird seit mittlerweile zehn Jahren die Tätigkeit als Großhändler forciert. Und nun wurde das nächste Erfolgskapitel in der Firmengeschichte von "Bioprodukte Pinczker" geschrieben: Ein Getreide-Silo am Hafen Albern in Wien wurde angekauft - Investitionssumme 2,5 Millionen Euro.

"Dadurch haben wir zusätzliche Kapazitäten und auch keinen Lagerdruck mehr", erklärt Martin Pinczker. "Außerdem können wir das ganze Jahr über unsere Kunden beliefern, wir sind flexibler." Derzeit können in dem Speicher 5000 Tonnen Getreide gelagert werden, nach der geplanten Erweiterung finden 13.000 Tonnen Aufnahme. Der Spatenstich soll im September diesen Jahres erfolgen, die Fertigstellung ist für Sommer 2012 vorgesehen. 60 verschiedene Silo-Zellen stehen dann zur Verfügung, nach Region und Qualität können die Rohstoffe sortiert werden. Zudem sei der Standort ein günstiger Verkehrsknotenpunkt - Straße, Schiene oder Wasserweg bieten Alternativen.

Vorreiterrolle

50.000 Tonnen Bio-Getreide - 20.000 davon kommen allein aus dem Burgenland - werden pro Saison verwaltet. Hauptsächlich Weizen, Roggen, Dinkel, Sonnenblumen, Sojakeime sowie Futtermittel. Der Jahresumsatz liegt bei 15 Millionen Euro. 1000 Vertragslandwirte beliefern derzeit 20 Übernahmestellen im ganzen Bundesgebiet.

"Wir nehmen eine Vorreiterrolle ein, schon jeder fünfte Bauer ist Bio-Landwirt", sagt der 27-Jährige. "In manchen Gemeinden des Burgenlandes sogar 100 Prozent." Österreich habe einen Überschuss, sei ein Exportland - Deutschland, Italien oder die Schweiz Hauptmärkte, in Frankreich will man sich künftig positionieren. Gepunktet werde mit Qualität, so der Junior-Chef, deshalb sei ihm auch vor den Mitbewerbern aus den neuen EU-Staaten nicht bange.

"Wir haben sehr strenge Kontrollen, vor und auch nach der Ernte", betont Pinczker. "Man kann die gesamte Produktionskette zurückverfolgen." Die Konsumenten und Handelspartner würden diese Informationen auch immer mehr in Anspruch nehmen.
"Der Preisunterschied ist da", weiß der Junior-Chef, aber dieser sei in der höheren Qualität und dem Umstand begründet, dass ein Bio-Landwirt nicht den großen Ernteertrag erzielen könne, wie ein Bauer, der konventionell mit Dünger arbeite.

Burgenland: 25 Prozent der Anbaufläche sind schon bio

Die Zahl der Biobetriebe stieg in Österreich im Vorjahr um 900 auf fast 22.000. Die Anbaufläche von Getreide wuchs um mehr als zehn Prozent auf 100.000 Hektar.
"Im Burgenland haben wir derzeit 933 Bio-Landwirte mit einer Anbaufläche von rund 42.000 Hektar", weiß Ernst Praunseis von der heimischen Landwirtschaftskammer. Dies würde 25 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche - von Gemüse bis hin zum Getreide - entsprechen. Nur im Obst-Bereich seien noch wenig Bio-Kulturen zu finden, das liege vor allem daran, dass viele Sorten sehr empfindlich auf Pilzbefall reagieren würden.
"Wir sind ein mächtiges Bundesland im Bio-Bereich und liegen prozentmäßig noch vor den großen Agrar-Ländern wie Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark", betont Praunseis. "Der Trend geht dahin, dass vor allem junge Landwirte umsteigen."
Die Qualitätskontrolle ist eine strenge und beginnt mit der engen Zusammenarbeit mit allen österreichischen Biokontrollstellen. Das Band der Qualitätssicherung zieht sich weiter über die Kontrolle der einzelnen Landwirte und das Entnehmen von Staubproben bei den Lagerstellen bis hin zu Schulungen der Lagerhalter sowie Fahrerschulungen der Transporteure. Zudem gibt es stetige Analysen der angelieferten Chargen bei führenden Laboren Österreichs.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011