Familie Janits hat viel ins Dorfgasthaus investiert. Nur durch weitere Betriebe können sie den Standort aufrecht erhalten

© /Claudia Koglbauer

Im Wandel
02/22/2016

Im Gasthaus geht das Licht aus

Immer mehr Lokale sperren zu, 200 Gasthäuser stehen leer. Das Gasthaus Janits ist ein Ausnahmefall.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Alfred Janits pendelt ständig von einem Wirtshaus zum anderen. Der Mittelburgenländer aus Kleinwarasdorf tut dies freilich aus beruflichen Gründen. Denn neben dem Gasthaus im 540-Seelen-Ort, das er in dritter Generation betreibt, führt er mit Gattin Martina noch vier weitere Lokale im Burgenland.

"Als wir das Gasthaus vor 25 Jahren übernommen haben, war die Geschäftslage besser und wir haben viel investiert", schildert das Paar. Neben der Renovierung der Gaststube und des Saals wurde auch eine Kegelbahn gebaut.

Fünf Standorte

"Trotz aller Investitionen könnten wir ohne die andere vier Standort in Oberpullendorf und Eisenstadt das Gasthaus im Dorf nicht erhalten", sagt Alfred Janits, als er an einem Wochentag etwa sechs Kunden bewirtet. Drei von ihnen sind vor allem wegen des Kegelns gekommen. Nur am Wochenende ist mehr los. Der guten Küche wegen kommen die Gäste auch aus umliegenden Bezirken.

Nicht alle Ortschaften haben das Glück, dass ihr Dorfwirtshaus erhalten bleibt. Etwa 200 Gasthäuser stehen im Burgenland derzeit leer. "Und es kommen jedes Jahr zehn bis 20 weitere dazu", weiß Franz Perner von der Wirtschaftskammer Burgenland. "Es sind Behördenauflagen, wie die Einführung der Registrierkasse oder die Schaffung der Barrierefreiheit, die für die Gastronomen nicht mehr erfüllbar sind", meint er.

Kebabstand

1900 Gastronomiebetriebe gibt es im Burgenland, 500 davon sind klassische Wirtshäuser. "Wenn ein Gasthaus zusperrt, öffnet dafür ein Café oder ein Kebabstand", sagt Perner.

Während die Wirtshäuser in den Dörfern oft nur noch für Familienfeiern am Wochenende gebucht werden, fallen andere Einkommensquellen weg. "Jetzt geht man unter der Woche ins Vereinslokal oder besucht die Ballungszentren für After-work-Partys", meint Franz Perner. Auch Hochzeiten würden immer seltener gebucht. "Die Leute suchen die besondere Location, der Wirtshaussaal genügt oft nicht mehr."

Schaden würde dem Dorfgasthaus auch der neue Trend hin zu Mischbetrieben. Seit etwa fünf Jahren gibt es 20 Kfz-Werkstätten im Burgenland, die auch über eine Gastgewerbeberechtigung verfügen. Während das Auto repariert wird, kann man sich nebenbei beim Imbissstand laben. Aber auch die Tankstellenshops seien als Treffpunkt immer beliebter.

Schwer zu vermitteln

Für die leer stehenden Gasthäuser wird indes nach neuen Besitzern gesucht. Auch mit einem Makler ist eine Vermittlung der Objekte nicht ganz einfach, wie Immobilienmakler Christian Kutrowatz bestätigt. "Es gibt mehrere Punkte, die die Verwertung der Liegenschaften einschränken." Das sei zum einen der Umstand, dass etliche Gastfamilien in dem Gebäude leben. Fremde im eigenen Haus zu haben sei für viele nicht einfach. Eine Weiterführung der Betriebe sei aufgrund zu hoher Investitionen meist nicht rentabel. "Manche stellen sich auch Verkaufserlöse vor, die nicht zu erzielen sind", sagt Kutrowatz.

Alfred Kollar befindet sich auf Einkaufstour. Und zwar seit fünf Jahren. Objekt seiner Begierde sind Gasthöfe im Burgenland. Der Auslöser für diese Einkaufstour“ sei der Verkauf des Traditionsgasthauses Strommer in Oberpullendorf gewesen, sagt der Geschäftsführer der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG).
„Die Strommers waren alteingesessene Wirte, die keinen Nachfolger gefunden haben“, schildert Kollar. Die OSG hat das Gebäude erworben und umgebaut. 1,3 Mio. Euro wurden investiert, jetzt sind in dem ehemaligen Gasthof 13 Wohnungen und die SPÖ-Bezirksparteizentrale untergebracht.
Seither hat die OSG 13 weitere Gaststätten erworben, in fünf Gemeinden werden noch Verhandlungen geführt. Aktuell sei man in Oberwart und Jennersdorf „mit sehr renommierten Häusern“ in Verhandlungen.
In Klostermarienberg im Bezirk Oberpullendorf etwa hat die OSG erst vor Kurzem gemeinsam mit der Gemeinde den Gasthof Gregorich erstanden. Während im Obergeschoß vier Wohnungen entstehen sollen, bleibt der Gemeinde die Wirtsstube zur Verfügung.
„Meist zeichnen sich die ehemaligen Gasthäuser durch ihre zentrale Lage aus“, erklärt Kollar, was er so an den Objekten schätze. Für Wohnungen, betreutes Wohnen, Arztordinationen oder Nahversorger sei so ein Standort optimal.

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