Bürgermeister Lentsch setzt auf Verständnis der Bevölkerung

© /Thomas Orovits

Neusiedl am See
07/15/2015

"Ich ersuche um Ihr Mitgefühl"

Bürgermeister Kurt Lentsch appelliert mittels Brief, Flüchtlingen vorurteilsfrei zu begegnen.

von Natascha Marakovits

Bürgermeister Kurt Lentsch spricht Klartext: "Als Mensch, der das Glück hat, in Österreich geboren worden zu sein und auch als Bürgermeister unserer Stadt sehe ich es als unsere Verantwortung, diesen Menschen, die alles verloren haben und um ihr Leben fürchten müssen, zu helfen." So lautet ein Auszug aus dem Brief des Bürgermeisters, der diese Woche an alle Haushalte der Stadt verteilt wird. "Wir wollen die Bürger so rasch wie möglich informieren. Weil es per Post zu lange dauern würde, werden unsere Mitarbeiter den Brief persönlich austragen", erklärt die stellvertretende Amtsleiterin Katrin Bochdalofsky.

Anlass ist die geplante Unterbringung von 80 Flüchtlingen in der ehemaligen Landwirtschaftlichen Fachschule in Neusiedl am See. Dass in dem leer stehenden Gebäude, das dem Land gehört, Flüchtlinge untergebracht werden sollen, war schon länger bekannt. Dass nun alles sehr schnell gehen muss, erklärt Bürgermeister Lentsch ebenfalls in dem Brief. "Ministerin Mikl-Leitner hat dem Land Burgenland aufgrund der dringenden Notwendigkeit eine Frist gesetzt", heißt es darin.

Auflagen

Ursprünglich geplant war, dass die Flüchtlinge bereits am vergangenen Wochenende das Quartier beziehen können. Daraus wurde vorerst nichts, denn "es sind noch nicht alle technischen Auflagen erfüllt, so fehlt noch eine Brandschutzmeldeanlage", teilt Josef Newertal vom Büro des zuständigen Soziallandesrates Norbert Darabos (SPÖ) mit. Dennoch würden 30 Flüchtlinge spätestens am Donnerstag einziehen können. "Die Auflagen gelten erst ab einer bestimmten Anzahl von Personen", erklärt Newertal. Sobald alle Anforderungen erfüllt sind, sollen weitere 50 Flüchtlinge folgen. Wann genau dies sein wird, könne man allerdings nicht sagen.

Vorerst soll die ehemalige Schule als Notquartier für 80 Personen dienen. Nach und nach soll daraus ein "festes Quartier" werden, in dem 60 Flüchtlinge untergebracht werden können. Betreut werden die Flüchtlinge vom Samariterbund.

Bürgermeister Kurt Lentsch hofft mit dem Brief mögliche Vorurteile aus dem Weg zu räumen. "Ich ersuche um Ihr Mitgefühl für die Flüchtlinge, die schweres Leid ertragen mussten und nun bei uns auf Hilfe hoffen. Bitte versuchen Sie, diesen Menschen vorurteilsfrei zu begegnen und Ihnen eine Chance zu geben", appelliert er an die Bevölkerung.

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