© Roland Pittner

05/07/2021

Preissteigerung kommt nicht bei Bauern an

Extreme Preissteigerungen beim Bauholz und Baumaterial im ganzen Land. Die Waldbauern merken davon nur wenig

von Roland Pittner

Bauen ist so teuer wie nie. Die Preise gehen im Steilflug nach oben. Wie Holzbaufirmen berichten, könnten sie im Herbst komplett stillstehen, weil es kein Material gibt. Angebote können nur mehr für wenige Tage garantiert werden, weil niemand wisse, wie hoch die Rohstoffpreise noch steigen. Ein Problem für den ganzen Bausektor, der im Moment boomt.

Karl Trummer ist Unternehmer und Forstwirt. 100 Hektar Wald nennt er sein Eigen, viel erwirtschaften kann er damit nicht, auch die aktuellen Preissteigerungen und Engpässe beim Holz schlagen sich nicht auf seine Ware nieder. „Vor 30 Jahren hat der Festmeter Fichte etwa 1.300 Schilling gekostet, heute kostet er wieder 100 Euro, hier gibt es keine Wertsteigerung, alles wird teurer, nur der Bauer hat nichts davon“, sagt Trummer. Die vergangenen zwei Jahre waren noch schlimmer, rund 70 Euro zahlten Holzhändler und Sägewerke für den Festmeter.

Keine Relation

Die Preise seien zwar wieder auf dem normalen Niveau, „im Vergleich zu den fertigen Produkten, stehen die Erzeugerpreise aber immer noch in keiner Relation“, meint der Unternehmer. Denn die großen Preissprünge von bis zu 50 Prozent beim Bauholz und Leimbinder würden nicht an die Bauern weitergegeben.

„In den Sägewerken wird nur so viel gezahlt, damit Holz weiterfließt“, weiß Klaus Friedl, Obmann vom Burgenländischen Waldverband. Vergleicht man Preise für Sägerundholz oder Industrieholz der letzten 44 Jahre, „so zeigt sich, dass sich die Holzpreise nominal – zwar immer wieder recht sprunghaft änderten – weitgehend jedoch konstant blieben. Starke Anstiege sind bei den Lohnkosten für die Forstarbeiter zu verzeichnen“. 1976 konnte ein Forstarbeiter mit dem Verkauf eines Festmeters Sägerundholzs drei Tage beschäftigt werden. 2008 waren es nur mehr 1,3 Tage. In den vergangenen zwei Jahren mit niedrigsten Preisen haben viele Betriebe kaum kostendeckend Holz ernten können. „Auch wir konnten nichts schlägern, deshalb haben wir jetzt rund 2.000 Festmeter stehen gelassen“, sagt Trummer.

In Deutschland haben Waldbauern zum Boykott der Sägeindustrie aufgerufen, wie Friedl erklärt. Grundsätzlich könnten es sich aber die wenigsten Waldbauern leisten, jetzt noch weiter zu warten. Nach den vergangenen schwierigen Jahren, hat sich viel Holz angesammelt. „Es schadet dem Zuwachs und macht die Bäume anfälliger für Schädlinge“, sagt der Experte. Außerdem müsse auf den Klimawandel geachtet werden, „dadurch bekommt der Wald noch mehr Stress und es braucht eine professionelle Bewirtschaftung, um ihn zu erhalten“, meint Friedl.

Für Trummer ist klar: „Es hat keinen Sinn, wenn man als Bauer 100 Jahre wartet, bis der Baum reif ist und dann muss man ihn verschenken und hat Sozialversicherung und Steuern dafür gezahlt.“

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