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01/14/2020

Handel: Flaute in den Ortszentren

Nur mehr zwölf Prozent der Verkaufsflächen sind, laut einer Studie der Wirtschaftskammer in den Ortskernen

von Roland Pittner

Montag, früher Nachmittag in Großpetersdorf. Einige Schüler warten auf den Bus. Flanierende Menschen mit Einkaufstaschen sind trotz strahlendem Sonnenschein keine unterwegs. Viele Schaufenster sind leer. Die Aufschrift über den Geschäften ist verblasst. Josef Weninger führt hier sein Fachgeschäft für orthopädische Schuhe und Maßschuhe. „Wir sind nicht von der Laufkundschaft abhängig, natürlich hat es diese früher gegeben“, sagt Weninger. Neben seinem Geschäftslokal war die Drogeriekette Schlecker und die war ein Frequenzbringer, meint der Unternehmer. „Bis vor 20 oder 25 Jahren war Großpetersdorf eine zentrale Einkaufsgemeinde“, erzählt Weninger.

Diese Zeiten sind vorbei. „Wir arbeiten daran, die Leerstände wieder zu beleben“, sagt SP-Bürgermeister Wolfgang Tauss im KURIER-Gespräch. Zumindest zwei Geschäftslokale konnten vor Kurzem neu vermietet werden: Im ehemaligen Schuhgeschäft Friedrich ist nun ein Versicherungsbüro untergebracht, die Schatzgrube von der Volkshilfe dort, wo einst Bipa war. „Ein Lebensmittelgeschäft werden wir nicht mehr als Frequenzbringer in den Ortskern bekommen, die sind an der Peripherie“, sagt Tauss.

Mobilere Kundschaft

Die Kundschaft ist mobil geworden. Fachmarktzentren wie in Unterwart oder das Einkaufszentrum Oberwart (EO) haben den kleinen Geschäften zugesetzt.

Auch in der Oberwarter Innenstadt gebe es immer wieder Leerstände von Geschäftslokalen. Besonders eklatant sei dies auch für die Gastronomie. Gustav Gamauf im Stadtcafé hat die Veränderung miterlebt: „Früher sind die Leute am Wochenende Auslagen schauen gekommen und ins Kaffeehaus gegangen. Diese Kundschaft bleibt aus, jetzt gibt es kaum mehr was zu sehen“, sagt Gamauf. Das ist kein Einzelphänomen, auch in anderen Gemeinden des Landes sind die Herausforderungen für die Ortskerne ähnlich.Die Roh-Daten der Kaufkraftanalyse 2019 bestätigen das Bild der Unternehmer. Nur mehr zwölf Prozent der Handelsflächen liegen in den heimischen Stadt- und Ortszentren. „Der enorme Rückgang belebter Flächen führt zu einem Funktionsverlust der Zentren“, sagt Andrea Gottweis, Spartenobfrau des burgenländischen Handels in der Wirtschaftskammer. Durch die niedrige Frequenz verlieren die Zentren an Anziehungskraft. „Das führt zu Leerständen und die Innenstädte werden noch unattraktiver“, sagt Gottweis. Ein Teufelskreis.

Auch der Anteil des Kaufkraft-Volumens, der im Burgenland ausgegeben wird, sinkt. 2009 wurden noch 78,8 Prozent vom verfügbaren Einkommen im Land ausgegeben, im Vorjahr waren es nur mehr 74 Prozent. Obwohl die Verkaufsflächen in diesem Zeitraum um 19 Prozent gestiegen sind. „Ein beträchtlicher Teil der Kaufkraft geht in den Internethandel“, erklärt Gottweis.

Sie fordert, dass die Raumplanung bestehende Handelsflächen in Zentren schützt, außerdem sollte es Anreize für neue Ansiedelungen von Unternehmen in Kernbereichen geben. „Politik und Verwaltung sind gefragt, gleichermaßen aber auch Eigentümer der Immobilien, Händler sowie Gewerbetreibende und letztlich die Bevölkerung selbst“, sagt Gottweis.